Willms Gymnasium

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„Maker-Space“ für Schüler in Delmenhorst: Eine Schule für Techniktüftler

07.10.20 | Weser Kurier

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Bei der Digitalisierung haben viele Schulen Nachholbedarf, das Willms-Gymnasium geht aber mit gutem Beispiel voran. 3D-Drucker und 3D-Brillen sollen in einem „Maker-Space“ die Kreativität fördern.

Als nach dem Ausbruch der Pandemie bundesweit die Schüler ins „Home-Learning“ geschickt wurden, zeigte sich, dass die Digitalisierung um die meisten Schulen bisher einen großen Bogen gemacht hat. In Delmenhorst scheint dies immerhin im Willms-Gymnasium anders zu sein. Als eine von 26 Schulen aus Niedersachsen erhielt das Willms die Auszeichnung „Digitale Schule“. Dahinter steht die „Nationale Initiative Mint – Zukunft schaffen“ unter Federführung der Bundesbeauftragten für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU). „Sie hat uns als Leuchtturmschule gelobt“, berichtet Schulleiter Stefan Nolting.

Schon seit zwei Jahren trägt das Gymnasium das Siegel „Mint-freundliche Schule“, welches das besondere Engagement in den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie würdigt. Doch Schulleitung, Lehrer und Schüler haben sich auf diesem Erfolg nicht ausgeruht. „Alle drei Jahre steht eine Evaluierung an. Es geht darum, Konzepte nicht einfach nur aufzuschreiben, sondern diese auch umzusetzen“, erklärt Nolting. Mit den Auszeichnungen sei auch die Selbstverpflichtung verbunden, die Schulfächer mit einer technischen Ausrichtung weiterhin zu fördern.

In einem Raum des Gebäudetrakts zeigt sich, dass der Schulleiter in diesem Punkt keine Floskeln drischt. Auf dem frisch verlegten Teppichboden stehen die Computer in Reih und Glied, einige Bildschirme befinden sich noch im Pappkarton. Auf einem Schreibtisch sind drei futuristisch anmutende Geräte ausgepackt, die jeder Technik-Nerd sofort erkennt. Es ist eine 3D-Brille samt Controller. „Hier entsteht unser Maker-Space“, erklärt Nolting. Die englische Bezeichnung sei eine weltweit übliche Bezeichnung für Freiräume, in denen mit bester Technik Lernen, Tüfteln und Entdecken Hand in Hand gehen sollen.

In etwa vier Wochen soll der neue Raum bereit sein, um von den Schülern erobert werden zu können. Bis 22 Uhr soll er ihnen offen stehen, auch externe Freunde sollen mitmachen dürfen. „Allein für einen 3D-Drucker haben wir 12 000 Euro ausgegeben“, erklärt Nolting. Die technische Ausstattung habe insgesamt etwa 40 000 Euro gekostet. „Da haben wir großes Glück, dass wir in Dierk Garms einen ehemaligen Schüler haben, der nun unser Sponsor ist“, verrät der 53-Jährige. Garms leitet ein Unternehmen für Baustoffe und unterstützt die Schule mit einem Förderverein. Unterstützung für den Maker-Space gab es auch von der Stadt. Laut Nolting steckte diese etwa 20 000 Euro in die Umgestaltung. Unter anderem war ein Durchbruch zwischen einem PC-Raum und einem ehemaligen Klassenzimmer notwendig.

Zu den ersten Schülerinnen, die dort ihre Ideen umsetzen, könnten Sofia, Leonie und Natalia gehören. Die drei Siebtklässlerinnen haben in einer AG erste Erfahrungen gesammelt, wie sich mit einem Tablet oder Handy ein Lego-Roboter programmieren lässt. „Das Experimentieren fühlt sich nicht wie Schule an, sondern macht sehr viel Spaß“, schwärmt Sofia. Jeder Roboter habe unterschiedliche Fähigkeiten. Einer reagiere auf Farben, der zweite könne vor Hindernissen stoppen. „Da gibt es noch spannende andere Bausätze, man kann ganze Fabriken programmieren“, berichtet die 12-Jährige. Im Gesicht des Schulleiters ist in diesem Moment ein wohlwollendes Lächeln zu erkennen: „Genau darum geht es. Sie sind zum ersten Mal im Maker-Space, und schon kommen die neuen Ideen.“

In den Lego-Robotern sieht der Schulleiter einen wichtigen Grundsatz erfüllt. „Wenn die Ausstattung nicht da ist, können sich auch keine Ideen entwickeln. Wir wollen den Schülern auch Vertrauen schenken und ihnen Technik geben, die State of the Art ist“, erläutert er. Gemeinsam mit dem Kollegium führt er die Schüler schrittweise an Fächer wie Informatik heran. In der sechsten und siebten Klasse gibt es eine AG, in der die Schüler spielerisch erste Erfahrungen sammeln. In der Oberstufe ist die Informatik dann auch ein Schulfach, in der die Schüler auch ihre Abiturprüfung schreiben können.

In den höheren Jahrgängen hat sich zudem die Gruppe der „Edel-Vips“ gefunden. Hinter dem selbst gewählten Namen verbergen sich Schüler, die neben dem Unterricht Computer einrichten und schulische Netzwerke aufbauen. „Dafür brauchen wir jetzt keine externen Firmen mehr. Diese unterstützen nur manchmal die Schüler“, sagt Nolting.

Zum Artikel mit Bild: https://www.weser-kurier.de/region/delmenhorster-kurier_artikel,-eine-schule-fuer-techniktueftler-_arid,1937788.html