Willms Gymnasium

Gymnasium an der
Willmsstraße
27749 Delmenhorst
Tel.: 04221/14671

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Angebote zur Begabungsförderung

Allgemeine Hinweise

Das Willms Gymnasium bietet seinen Schülerinnen und Schülern zahlreiche Möglichkeiten, ihre Interessen zu vertiefen und weiter zu entwickeln. 

In der folgenden Abbildung werden einige Möglichkeiten der Förderung dargestellt.

 

Abbildung 1: einige derzeitige Fördermöglichkeiten am  Willms

Quelle: eigene Darstellung

 

Dabei richten sich einige Angebote, wie z.B. Chor oder Theater, an alle interessierten Schüler*innen und einige an besonders begabte Schülerinnen und Schüler. Diese Möglichkeiten sind gelb gekennzeichnet.

Wie man der Abbildung 1 entnehmen kann, bietet das Willms Arbeitsgemeinschaften, Projekte, die Teilnahme an Wettbewerben und u.a. das Frühstudium an.

Selbstverständlich kann auch ein Überspringen einer Klassenstufe eine Möglichkeit für die betreffenden Schüler*innen sein.

Eine Teilnahme am Unterricht in einer höheren Klassenstufe ist ebenfalls denkbar. Spätestens mit dem Erreichen der Einführungs- oder Qualifikationsphase treten jedoch erneut Schwierigkeiten auf, z.B. wenn es kein Angebot gibt, erneut in eine höhere Klassenstufe überzugehen. Daher kann ab dem 10. Jahrgang das Frühstudium eine gute Alternative sein, da es in der Regel den Unterrichtsinhalt nicht vorwegnimmt. Auch die Umstellung von G8 auf G9 entzerrt den Lehrplan, sorgt aber zusätzlich bei hochbegabten Schülerinnen und Schülern eher für eine Unterforderung.

In den nächsten Unterpunkten wird auf die gemachten Erfahrungen mit dem Frühstudium und Null problemo eingegangen. 

 

Frühstudium

Seit Mai 2018 führt das Gymnasium mit Frau Gronau Informationsveranstaltungen zum Frühstudium durch. Leistungsstarke Schüler*innen und Eltern werden so über diese Möglichkeit der Potenzialentfaltung beraten und es werden Vor- und Nachteile aufgezeigt.

Das Frühstudium wird am Willms Gymnasium seit Oktober 2018 sehr gut angenommen. In der Abbildung 2 wird deutlich, dass sich begabtere Schülerinnen und Schüler nach Input sehnen und diesen auch annehmen. Im Sommersemester 2020 wurde das digitale Frühstudium an der Universität Rostock mit in die Förderung am Willms aufgenommen.

Abbildung 2: Frühstudierende am Willms

Quelle:   eigene Darstellung

 

Universität Oldenburg

In der Tabelle 1 sind die Studienfächer, die erworbenen Prüfungsleistungen und die erreichten Kreditpoints der drei Schüler*innen angegeben, die im Wintersemester 2018/2019 mit dem Frühstudium gestartet sind. Alle drei haben ein Präsenzstudium an der Universität Oldenburg absolviert.

Jahrgang

Fach

Anzahl der Semester

Prüfungsleistungen

erreichte

Kreditpoints

11

Anglistik

1

keine

0

11

Pädagogik

2

zwei Klausuren

Portfolio

15

10

Mathematik

1

keine

0

Tabelle 1: Frühstudium in Oldenburg im WS 2018/19

Quelle:   eigene Darstellung

 

Universität Bremen

Im Wintersemester 2019/20 studierten eine Schülerin und ein Schüler des 11. Jahrgangs an der Universität Bremen jeweils Mathematik für ein Semester.

Die Befragung der Frühstudierenden aus Oldenburg und Bremen zeigte folgende Vor- und Nachteile:


Abbildung 3:   Vor- und Nachteile eines Präsenzstudiengangs

Quelle:   eigene Darstellung

 

Die drei Frühstudierenden im WS 2018/19 gaben ihre zeitliche Abwesenheit wie folgt an:

Abbildung 4: zeitliche Aspekte im WS 2018/19

Quelle:   eigene Darstellung aufgrund der Interviews vom 25.06.2019

 

Wenn man die Zeit für die Hin- und Rückfahrt mit der Fehlzeit in der Schule vergleicht, stellt man fest, dass eine Stunde Präsenzstudium ein Fehlen bei 1,9 Schulstunden zur Folge hat. Damit ist die zeitliche Belastung während des Präsenzstudiums sehr hoch.

 

Universität Rostock

Die Universität Rostock ist derzeit die einzige Universität, die ein digitales Frühstudium anbietet. Dabei können sich auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Bundesländern einschreiben (Informationen).

Im Februar 2020 informierten Frau Kehler (Oberstufenkoordinatorin) und Frau Gronau etwa 19 Schüler*innen des 12. Jahrgangs über die Möglichkeit des digitalen Frühstudiums an der Universität Rostock. Von ihnen entschieden sich 13 für eine Teilnahme. Dabei belegten einige von ihnen Vorlesungen und Übungen der Betriebswirtschaftslehre, andere in Medizin oder Pädagogik.

Dabei werden die Lehrveranstaltungen und Übungen  durch Tutoren der Universität begleitet, die die Fragen der Schülerinnen und Schüler beantworten und unterstützend zur Seite stehen.

Für das Schuljahr 2020/21 nehmen vier Schüler*innen das Frühstudium im Jahrgang 11 ebenfalls in Rostock auf und zwei weitere Schüler*innen aus dem Jahrgang 13 belegen dann in Rostock das zweite Semester.

 

Der Austausch mit den Frühstudierenden in Rostock zeigt, dass die Vorlesungen deutlich flexibler von den Schüler*innen angeschaut werden können und die Zusammenarbeit mit den Tutoren eine gute Betreuung darstellt. So ist auch der Mangel der fehlenden Betreuung (siehe Abbildung 3) nicht mehr gegeben. Auch können die Schüler*innen ihre Fehlzeiten sehr flexibel gestalten. Zwei Vorgehensweisen sind dabei möglich:

  1. Die Schüler*innen hören /sehen die Vorlesungen in der Freizeit / Freistunden, um keinen Unterricht zu verpassen.
  2. Die Schüler*innen fehlen punktuell in Fächern, in denen sie besonders gut sind. 

In einem Präsenzstudium in Oldenburg oder Bremen ist ein derartiger flexibler Umgang nicht möglich, da die Frühstudierenden bestimmte Zeiten an der Universität anwesend sein müssen.

Sowohl für den Jahrgang 11 als auch für die Jahrgänge 12 und 13 gibt es schulische Regeln, die Frühstudierende beachten müssen. Diese sind mit Herrn Wiggers (Koordinator der Einführungsphase – Jahrgang 11) und Frau Kehler (Koordinatorin für die Oberstufe – Jahrgänge 12 und 13) zusammen erarbeitet worden. Dem Willms ist es sehr wichtig, dass es durch das Frühstudium zu keinen schulischen Leistungsverschlechterungen kommt.

Das bisherige Fazit der Frühstudierenden des Willms ist sehr positiv. Sie sind dankbar für diese Möglichkeit und sehen diese als Bereicherung an. In den meisten Fällen ist vor allem der Input an Wissen der entscheidende Vorteil. Auch wenn die meisten Frühstudierenden das Frühstudium nur ein Semester belegen, so ist es eine Erfahrung, die sie auf keinen Fall missen möchten und dies auch weiterempfehlen. Auch in wissenschaftlichen Ausführungen zum Frühstudium ist es eher die Regel, dass Schülerinnen und Schüler ein (maximal zwei) Semester an einer Universität studieren.

 

Null problemo

Das Gymnasium an der Willmsstraße pflegt mit dem Institut für Mathematik der Universität Oldenburg einen regen Austausch. Aus diesem Austausch ist auch das gemeinsame Zertifikat „Null problemo: Mathematisches Problemlösen“ erwachsen, das durch eine Klausur am Schuljahresende erreicht werden kann. An dieser Klausur nehmen auch viele andere Schulen der Region Weser-Ems teil, Ideengeber ist jedoch das Willms, das natürlich auch als „MINT-freundliche Schule“ zertifiziert ist. In einer Arbeitsgemeinschaft bereitet das Willms seine Elfklässler*innen auf die Klausur vor. Das Zertifikat kann gewinnbringend bei Bewerbungen um Ausbildungsplätze oder Stipendien eingesetzt werden und dient dem in vielen Berufen sehr wichtigen Nachweis von Problemlösestrategien, die zwar in der Mathematik beheimatet, aber in vielen weiteren Bereichen anwendbar sind.

Dabei lernen interessierte Schüler*innen Lösungsstrategien und Themen der Mathematik kennen, die im regulären Unterricht kaum vorkommen, wie z.B. vollständige Induktion, direkte und indirekte Beweise, Graphentheorie.  Durch die Teilnahme an dieser AG lernen die Schülerinnen und Schüler andere mathematische Herangehensweisen und v.a. erkennen sie, dass das Fach Mathematik eher wenig mit Rechnen, sondern v.a. mit strukturellem Denken zu tun hat.

Interessierte Schüler*innen bekunden vor dem Wechsel in den Jahrgang 11 ihre Bereitschaft, so dass die Schule die Möglichkeit der Teilnahme für diese Schüler*innen am Vormittag schaffen kann.

Jede Schülerin / jeder Schüler hat durch die Teilnahme nicht nur mathematischen Input, sondern hat auch eine andere Sichtweise auf das Studium der Mathematik. So kann auch hier, wie beim Frühstudium, ein mögliches Studienfach verifiziert oder falsifiziert werden.

 

Talentportfolio

Das Willms Gymnasium hat durch die Vielzahl der angebotenen AGs nicht nur eine Spitzen-, sondern v.a. eine Breitenförderung. Dabei geht es uns in erster Linie darum, jede Schülerin und jeden Schüler mit seinen Stärken zu erkennen.

Das Talentportfolio bietet eine sehr gute Möglichkeit, diese Stärken für jeden aufzuzeigen, diese weiter auszubauen und zu reflektieren. Dabei ist es ganz wichtig, dass sowohl Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen ins Gespräch über Stärken kommen. Es dient nicht nur zur Stärkenorientierung, sondern hilft später bei der Kurswahl in der Oberstufe oder auch bei der Berufsorientierung. Damit ist das Talentportfolio eine Fördermöglichkeit für alle Schüler*innen und schafft eine Brücke von der Mittelstufe hin zur Berufswahl.

 

Literaturverzeichnis

Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2015). Bundesministerium für Bildung und Forschung: Begabte Kinder finden und fördern – ein Wegweiser für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer. Abgerufen am 02. 04. 2019 von https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Begabte_Kinder_finden_und_foerdern.pdf

Becker, U. (2015). Besonders Begabte finden und fördern. Abgerufen am 26. 08. 2019 von https://besondersbegabte.alp.dillingen.de/index.php/basis-wissen/psychologisch/modelle

Bund-Länder-Kommission. (2001). Begabtenförderung – Heft 91. Abgerufen am 20. 11. 2018 von http://www.blk-bonn.de/papers/heft91.pdf

Eschelmüller, M. (08. 2011). Effektives Lerncoaching. Profil – Das Magazin für Lehren und Lernen, S. 11. Abgerufen am 26. 08. 2019 von https://profi-l.info/web/2011-02-fordern/das-lernen-kennenlernen

Fischer, C. (2006). Grundlagen und Konzepte der Begabtenförderung. In C. Fischer, & H. Ludwig, Begabtenförderung als Aufgabe und Herausforderung für die Pädagogik (S. 66 – 76). Münster: Aschendorff.

ÖZBF. (2017). Wege in der Begabtenförderung – eine Methodensammlung für die Praxis. Abgerufen am 08. 02. 2019 von https://www.oezbf.at/wp-content/uploads/2017/03/Methodenskript_Neuauflage_WEB.pdf

Pflüger, R. (2019). Moodle ICBF. Abgerufen am 26. 08. 2019 von https://moodle.icbf.de/pluginfile.php/2463/mod_resource/content/0/Diagnostik%20im%20Kontext%20von%20Underachievement%20KELS_Robin%20Pfl%C3%BCger.pdf

Ziegler, A. (2008). Hochbegabung. München: UTB profile.