Willms Gymnasium

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Digitalpakt in Delmenhorst: Verspätet in die Zukunft

24.02.20 | Weser Kurier

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750 000 Euro sollen dieses Jahr in die digitale Infrastruktur der Schulen gesteckt werden. Am Willms-Gymnasium entsteht ein Maker-Space. Aber auch die örtliche Wirtschaft braucht digitale Anschubenergie.

Die Zukunft surrt. Sehr leise zwar, aber beständig. Während also Stefan Nolting, Leiter des Gymnasiums an der Willmsstraße, über den Digitalpakt und die damit verbundene schulische Zukunft spricht, ist diese Zukunft hinter ihm bereits im Einsatz. Im neuen 3D-Drucker des Gymnasiums entsteht gerade eine Schraube. Ein Demo-Print, um die Worte des Direktors zu unterstreichen. 538 000 Euro, sagt Nolting, wird seine Schule bekommen, 30 000 sind es in diesem Jahr. „Wir müssen das Geld klug ausgeben.“ Eben zum Beispiel für Endgeräte. Aber: Damit ist es noch lange nicht getan.

Kurz gesagt: Was bringen all die netten neuen Geräte, wenn sie am Ende nicht genutzt werden? Abgesehen davon soll das Geld des Digitalpakts auch gar nicht ausschließlich in neue Technik fließen, sondern auch in Konzepte. Im Willms ist ein erstes dieser Konzepte just in der Umsetzung: Maker-Space heißt es, eine Art Mini-Labor, in der alle Schüler aller Fachrichtungen arbeiten sollen. Möglichst eigenverantwortlich, möglichst forschend, möglichst interdisziplinär. „Da geht es um 3D-Druck, Robotik, CAD-Programmierung, Virtual Reality. Das soll aber eben nicht nur die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatiik, Naturwissenschaften und Technik, ansprechen, sondern auch Fächer wie Kunst und Politik müssen originär dabei sein“, erklärt Nolting den Anspruch.

Das, was im ersten Moment ziemlich modern klingt, ist aber bei genauerer Betrachtung eher das Hinterherrennen von Schule. „Unsere Schüler sind doch alle sogenannte Digital Natives. Sie haben einfach einen Anspruch darauf, dass Schule so etwas anbietet.“ Und zwar permanent, auf allen Ebenen. Im Chemie-Unterricht zum Beispiel. Früher wurden Experimente protokolliert, einer musste mitschreiben. Das geht heutzutage bequemer, zum Beispiel mit digitalen Thermometern, die ihre Messergebnisse direkt in eine App einspeisen. Zuhause können die Schüler mithilfe ihres Smartphones einfach weiterarbeiten, sie haben jederzeit Zugriff auf alle Messreihen, die auf dem Schulserver hinterlegt sind.

750 000 Euro aus dem Digitalpakt stehen in diesem Jahr in Delmenhorst für alle Schulen zur Verfügung. Eine Dreiviertelmillion Euro für neue Technik, für „Maßnahmen der digitalen Infrastruktur“, wie es im Haushalt der Stadt Delmenhorst etwas unsexy heißt. Und die Stadt lässt sich die Umsetzung noch weiteres Geld kosten, denn es soll ein IT-Projekmanager eingestellt werden, der die Schulen bei der Erarbeitung ihrer Digital-Konzepte unterstützen kann. Es soll also einiges geschehen, nicht nur an den Gymnasien, auch an den Grundschulen und allen weiterführenden Schulen. Es ist nichts weiter als eine Revolution des Lernens und Lehrens, wenn auch mit ein paar Jahren Verzögerung.

Stefan Nolting ist bei dem Thema schon weiter als die Stadtverwaltung, das Thema arbeitet in ihm. Er könnte sich, wie berichtet, zum Beispiel eine Art Zukunftslabor vorstellen, er nennt es X-DEL. In ihm sollen sowohl Schüler ausdrücklich aller Delmenhorster Schulen als auch Mitarbeiter von Delmenhorster Unternehmen und Handwerksbetrieben lernen beziehungsweise ihr digitales Know-how ausbauen können. Ausgestattet werden sollte es mit dem Geld, das durch den Digitalpakt in die Stadt kommt. Nolting schwebt dafür eine sehr zentrale Adresse vor: Willmsstraße 4. Das Haus neben dem Gymnasium wurde von der Stadt gekauft.

In der Verwaltung konnten sie es sich durchaus vorstellen, dass das Willms das Haus mit nutzt. Mittlerweile antwortet sie, nach den weiteren Plänen gefragt, eher zurückhaltend. „Eine Nutzung der Immobilie durch die Stadtverwaltung, unter anderem aufgrund des bestehenden Raumbedarfs, ist vorgesehen. Es gibt auch bereits vage Ideen hinsichtlich der weiteren Nutzung. Ziel sollte es sein, ein Angebot mit dem generellen Bezug Schule oder mit einem schulischen Kontext vorzuhalten.“ Sollte dort kein digitaler Lernort enststehen, findet Nolting das auch nicht weiter dramatisch. Seine Idee könnte auch in der Innenstadt umgesetzt werden. Genug Leerstand, der kreativ gefüllt werden kann, ist dort in der Tat vorhanden.

Auch Wolfgang Etrich, Vorstand der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok und im Vorstand des Fördervereins der örtlichen Wirtschaft, sieht in der Idee von Stefan Nolting Potenzial. „Das wäre ein guter Anfang.“ Allerdings müsse mit Blick auf die Wirtschaft in der Stadt jetzt schnell etwas umgesetzt werden. Zwar sei Digitalisierung in vielen Firmen ein Thema, die Entwicklung werde eifrig beobachtet – aber laut Etrich geschehe zu wenig. „Wir haben ein ziemlich großes Delta zwischen dem, was heutzutage schon möglich ist, und dem, was tatsächlich genutzt wird. Wir müssen uns fragen, wie wir diese Lücke füllen können.“

Auch Etrich wünscht sich deswegen ein zentrales Unterstützungsangebot, von der Stadt initiiert. Das wäre eine Aufgabe, die er sich gut bei der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (DWFG) vorstellen kann. „Davon würden die Betriebe massiv profitieren.“ Etrich gibt ein Beispiel aus dem Alltag: Als die Fenster in der Zentrale der Volksbank ausgetauscht wurden, maßen die Handwerker sie noch per Hand aus. „Dabei gibt es dafür bereits digitale Geräte, die die Ergebnisse automatisch auf ein Tablet übertragen. Dann wird auch automatisch ein Angebotsformular erstellt.“ Das vermeidet Fehler beim Übertragen, das spart viel Arbeitszeit, das ist im Grunde kinderleicht. „Aber den Betrieben fehlt im Alltag einfach die Kapazität, sich vertiefend mit Digitalisierung und den bereits bestehenden Möglichkeiten auseinanderzusetzen“, sagt Etrich. Das müsse sich ändern. Genau wie sich der Unterricht der Zukunft ändern muss.