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Experiment in Delmenhorst: Nimmt dieser Roboter bald Abi-Prüfungen ab?

21.04.26 | buten und binnen

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Am Willms-Gymnasium hält in einem europaweit einmaligen Test ein Roboter simulierte mündliche Prüfungen. Fachlich hat er einiges auf dem Kasten. Doch noch läuft nicht alles rund.

Seine Augen sind schmal, die Mimik ernst, der Körper aus Draht. „Fühlen Sie sich gesund und in der Lage, heute an der Prüfung teilzunehmen?“, fragt Capture. Er ist kein gewöhnlicher Lehrer, hat kein Herz, keinen Verstand, dafür aber ganz viel Fachwissen. Capture ist ein KI-Roboter, der an diesem Tag die Bio-Abiturprüfung mit Miriam Hollmann übernimmt. Als Lehrer.

Ein Experiment, das es in dieser Form europaweit noch nirgendwo gab. Am Willms-Gymnasium in Delmenhorst soll Capture erstmals zeigen, ob er als Prüfer Zukunftspotential hat. Auch für Miriam Hollmann ist diese Form der Prüfung etwas Neues.

„Das ist meine erste Art der mündlichen Abiturprüfung, sonst kannte ich nur Sprechprüfungen. Aber das war auch nicht großartig anders“, sagt die Schülerin.

Roboter kann inzwischen nicht nur stehen, sondern auch sitzen

Die Prüfung an diesem Mittag ist zwar nicht echt, könnte aber in der Zukunft durchaus so aussehen. Roboter Capture ist eine mögliche Antwort auf den Lehrermangel. Mithilfe künstlicher Intelligenz könnte er innerhalb der kommenden fünf Jahre Lehrkräfte unterstützen, so die Entwickler.

Mit Capture war Entwickler Vlad Grankovsky im Dezember 2024 schon einmal im Willms-Gymnasium zu Besuch. Damals hielt der Roboter eine Podiumsdiskussion mit den Schülern. Mittlerweile kann er nicht nur stehen, sondern auch sitzen.

Zurück zur mündlichen Prüfung: Auf die Antworten von Miriam Hollmann kann Capture gezielt eingehen, immer wieder stellt er Anschlussfragen. Bis Capture aber tatsächlich als Prüfer zum Einsatz kommt, muss an ihm noch gearbeitet werden.

Der Roboter-Lehrer kennt die Schüler nicht

Denn manchmal hat er seinen ganz eigenen Kopf. Während der Prüfung spricht er auf einmal Englisch. „Hello, hello“, kommt es aus ihm heraus. Der Entwickler gibt ein Zeichen, die Prüfung muss für fünf Minuten unterbrochen werden.

Die Situation ist auch für den richtigen Lehrer Carsten Hellmich ungewohnt, der während der Prüfung anwesend ist. Von seinem elektronischen Kollegen ist er noch nicht ganz überzeugt. „Er kennt die Schüler nicht. Und er weiß nicht, was im Unterricht passiert ist. Diese Daten hat er nicht“, betont er. „Die haben wir als Lehrkräfte aber und können dann auch etwas feinfühliger auf die Schüler eingehen. Zum Beispiel, indem wir eine Nachfrage weglassen, wenn wir merken, da kommt gerade nichts.“

Menschliche Lehrkraft soll die Oberhand behalten

Ganz abgeneigt von Capture ist der Biologielehrer deswegen aber nicht. Sollte der KI-Roboter in Zukunft tatsächlich Prüfungen durchführen, wäre es ihm nur wichtig, dass die menschliche Lehrkraft die Oberhand behält.

oboter als Prüfer im Abi? Die Schüler am Willms-Gymnasium sind zwiegespalten. „Er ist sehr neutral von dem, was er sagt, seine Stimmlage ist immer monoton“, meint Pascal Thomas Schroller, der sich der Prüfungssimulation mit Capture ebenfalls gestellt hat. „Dadurch finde ich ihn als Prüfer, der direkt vor einem sitzt, teilweise sogar besser als einen Menschen.“

Die Zwölftklässlerin Leonita Bunjaku ist dagegen etwas skeptischer. „Ich fände es wichtig, dass eine Lehrkraft immer als Protokollant dabei ist und eingreifen kann“, sagt sie.

Schulleiter ist besorgt über Lehrermangel

Schulleiter Stefan Nolting ist vor allem eins: beeindruckt. Auch er hat bereits eine gemeinsame Prüfung mit Capture hinter sich. „Der Roboter hat genau die Fragen ausgespuckt, die ich mir auch überlegt hatte“, sagt er.

Der Einsatz sei für ihn eine Möglichkeit, aktuellen Entwicklungen entgegenzuwirken. Irgendetwas müsse man nun mal dagegen tun.

Die Bio-Prüfung von Miriam Hollmann ist vorbei. Die Zwölfklässlerin hat den Test-Durchlauf mit einer Eins minus bestanden. Darin waren sich KI-Roboter und Lehrer einig. Wann und in welcher Form Capture wiederkommen wird, ist ungewiss. Klar ist jedoch: Fachlich hat der Roboter einiges drauf. Ob er in Zukunft auch zwischenmenschlich nachlegen kann, wird sich zeigen.