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Mythologie im Lateinunterricht

20. Dezember 2021 | Fachgruppe Latein

Vorherige Beiträge

Die „Lateinerinnen und Lateiner“ des Lateinkurses 10de von Herrn Reuter haben im ersten Halbjahr viele spannende und bekannte Mythen der Antike aus dem Lateinischen übersetzt und interpretiert. In seinem Werk Fabulae entführt der lateinische Autor Hygin (vermutlich 2. Jh. n. Chr) seine Leserinnen und Leser in die faszinierende Welt der antiken Mythologie. Bei seiner Darstellung beschränkt sich Hygin dabei meistens auf den Kern des mythologischen „Plots“, den er komprimiert und ohne Umschweife präsentiert. Das Kraftvolle dieser Geschichten, das Bedrohliche, teilweise auch das Erschreckende tritt dabei besonders einprägsam zutage.

Die Geschichte von Oedipus und der Io haben einen besonders nachhaltigen Eindruck bei den Schülerinnen und Schülern hinterlassen. Einige sehr gelungene Interpretationen zu diesen beiden Geschichten wollen im Folgenden zu einem kleinen Ausflug in die Welt der Mythologie einladen.

Oedipus – ein Sohn auf der Suche

Das Leben des Oedipus gleicht einer Achterbahnfahrt: Als Kind wird er von seinen Eltern ausgesetzt; viele Jahre später trifft er dann doch unwissend auf seinen Vater, den er im Kampf tötet. Er wird König von Theben und heiratet wiederum unwissend seine eigene Mutter. Kehrt jetzt endlich Ruhe in das Leben des Oedipus ein? Nicht wirklich, denn eines Tages tritt die Wahrheit über seine Herkunft ans Tageslicht…

Wie würden heutige Zeitungsartikel von dieser bewegten Geschichte berichten?

Ödipus - ermordete er seinen eigenen Vater? - von Kristina Löw und Lilly Plura

Am vergangenen Samstag ereignete sich nahe Delphi ein tragisches Verbrechen. Ein junger Mann namens Ödipus hatte den König Laios vom Wagen gerissen und ihn getötet. Was die Ursache für dieses Verbrechen ist, ist noch unklar, aber die Ermittlungen nach dem Täter laufen bereits. Laut einem Zeugen sah der Mann, der ihn getötet hat aus wie der Sohn des Königs, denn diesen kannte der Zeuge schon seit jungen Jahren. Wie er angab, war er derjenige gewesen, der Ödipus, seinen Sohn aufgenommen hatte, als er ihn auf Wunsch des Königs töten sollte. Er tat dies nicht und so war Ödipus nun ein ausgewachsener Mann, der nichts von seinen Eltern wusste. Seit einigen Tagen ist in der ganzen Stadt eine sehr bedrückende Stimmung, denn die Sphinx hat sich auf einem Fels nahe der Stadt niedergelegt und überwacht jeden, der in unser Königreich kommen möchte.

…einige Jahre später…

Mörder gefunden!
Wie bereits vor langer Zeit berichtet wurde, wurde nun endlich der Mörder unseres geliebten König Laios gefunden. Doch es ist tragischer als gedacht. Ödipus, Sohn des Laios, der von seiner Reise ins Land zurückkehrte, löste das Rätsel der Sphinx und bekam die Schwester des Kreon, dem herrschenden König, an die Hand. Als Ödipus dann aber mit einem Wahrsager sprach, kam heraus, dass die Frau, mit der er zusammen war, seine Mutter ist und er somit mit seiner eigenen Mutter Kinder bekommen hatte. Als der junge Mann dies erfuhr, brach er förmlich zusammen, tragischerweise nahm er sich die Spange aus dem Kleid seiner Mutter und stach sich damit die Augen aus, sodass er von nun an nichts mehr sehen kann. Wir hoffen alle, dass er seinen Frieden finden wird und sich nicht Weiteres antut. Laut Zeugen soll er die Stadt heute Morgen mit seiner Tochter verlassen haben und sich auf den Weg in ein neues Leben gemacht haben.

Familienglück findet tragisches Ende - ein Bericht von Meret Nitschke

Willkommen zurück bei Ihrem Blitzreport.

Heute ereilte uns die tragische Geschichte des Oedipus, die sich vor einigen Wochen abspielte. Der junge Oedipus wuchs als Findelkind bei seinen liebenden Eltern König Polybios und dessen Gattin Periboa auf. Nachdem Oedipus von einer Prophezeiung erfuhr, die besagte, dass er seinen Vater töten wird, floh er aus seiner Heimatstadt nach Delphi, im Glauben, Polybios sei sein leiblicher Vater. Als er das Elternhaus verließ, nahm das Unglück seinen Lauf. Auf dem Weg nach Delphi tötete er, trotz guter Absichten, einen Mann, der zuvor Oedipus’ Fuß verletzte. Durch das Lösen des Rätsels der Sphinx heiratete er die Witwe dieses Mannes, des Königs von Theben. Gemeinsam haben sie vier Kinder. Doch das Familienglück sollte nicht von langer Dauer sein, denn Oedipus erfährt, dass es sein leiblicher Vater war, den er einst tötete und dass es sich bei seiner Ehefrau und die Mutter seiner Kinder um seine leibliche Mutter handelt. Nachdem Oedipus begriff, welche frevelhaften Taten er begangen hatte, beraubte er sich des Augenlichts und verließ die Stadt. Nach unseren Informationen werden die beiden Söhne des Oedipus die Herrschaft übernehmen. Sobald es Neues über die Familie gibt, erfahren Sie es hier!

Das Drama der Familie setzt sich fort - ein Bericht von Meret Nitschke

Zuletzt berichteten wir über die tragische Geschichte des Oedipus, der seinen leiblichen Vater in Unwissenheit tötete. Wie nun bekannt wurde, wird die Familie weiterhin von schlimmen Schicksalsschlägen heimgesucht. Ein Streit um Macht und Ansehen entzweite nun auch die hinterbliebenen Söhne des Oedipus – Eteokles und Polyneikes. Auch hier folgte aus Gewalt und Intrigen der Verlust von Menschenleben. Im Streit um die Herrschaft wurde Eteokles von seinem Bruder Polyneikes angegriffen. Es entwickelte sich ein Krieg, der beiden von Hass geblendeten Brüdern das Leben kostete.

Nun gilt es abzuwarten, ob die zerrüttete Familie ihren Frieden findet…

Io: ein Seitensprung und seine Folgen - von Kristina Löw

Am Anfang der Geschichte der Io steht eine der – das muss man so sagen – zahlreichen Affären des Göttervaters Jupiter. Diesmal entflammt er in Liebe zur schönen Io. Doch Juno, Jupiters stets eifersüchtige Ehefrau, hat auch diesen Seitensprung ihres Mannes durchschaut – und das, obwohl Jupiter Io zur Vertuschung in eine Kuh verwandelt hat. Nun möchte sich Juno an ihrem Gatten rächen. Als dies jedoch misslingt, richtet sich ihr Zorn auf Io – und für Io beginnt eine abenteuerliche Reise, an deren Ende sie Königin von Ägypten wird…

Wie Io ihre Abenteuer selber erlebt hat, davon berichtet sie uns am besten selbst…

Ich wurde vergewaltigt. Vergewaltigt von einem Mann, den ich nicht kenne. Das Schreckliche ist, dass ich in eine Kuh verwandelt wurde. Dieses Geschehnis ist so dermaßen demütigend! Nur, damit seine Frau mich nicht erkennt. Das Beste: Sie hat es doch herausgefunden. Anstatt ihn zu bestrafen, geht natürlich alles auf mich zurück.

Stellt euch vor, ihr werdet vergewaltigt und habt dann noch eine rachsüchtige Ehefrau vom mächtigsten Gott am Halse. Nicht gerade schön, oder? Und dann stellt euch dazu vor, ihr werdet schwanger von ihm. Juno hasste mich, das war klar, aber natürlich wird es noch besser. Ich bin, als eine Kuh, in das Ionische Meer gefallen, bin den weiten Weg nach Skythien geschwommen und dann nach Ägypten, wo ich schließlich meinen Sohn, Epaphus, zur Welt brachte. Nicht, dass ihr denkt, die Geschichte endet hier – nein: Das Happy End kommt noch. Jupiter hat die ganze Zeit auf mich geachtet und letztlich zur Göttin von Ägypten gemacht. Natürlich wurde ich auch zurückverwandelt.

Juno hat mich also bestraft und Jupiter mich vergewaltigt. Allerdings habe ich nun einen Sohn. Zudem bin ich eine Göttin. Alles hat also eine gute Wendung genommen!

Eine Kuh im Meer ? - von Paul Rosenstock

Kühe kennt jeder von uns. Sie sind meist friedliche Tiere, welche es lieben zu grasen und zu entspannen. Doch einer Kuh war dieses Leben anscheinend zu
langweilig. Man konnte seinen Augen kaum trauen, als plötzlich eine ausgewachsene Kuh durch die Meerenge bei Byzantium schwamm. Diese hatte es anscheinend sehr eilig und schwamm weiter hinaus auf das Schwarze Meer. Gerüchten zufolge sei diese in Richtung Scythia geschwommen. Viele glauben, es sei eine Botschaft der Götter, weshalb zurzeit besprochen wird, genau diese Meerenge „Bosporus“ (= Rinderstraße) zu nennen. Was die Götter damit uns sagen wollen, bleibt ein Rätsel. Was diesen Vorfall noch unglaublicher macht, ist, dass genau diese Kuh nach einiger Zeit wiederkam und wieder durch die Meerenge zurück zum Mittelmeer schwamm. Seitdem kann keiner mehr über etwas anderes reden und alle fragen sich nur: „Warum schwimmt eine Kuh durch das Meer?“ Was mit der Kuh danach passiert ist, weiß keiner und ob sie jemals wiederkommt, ist auch fraglich.

Der Mythos der Io in Gedichtform

Sie verwandelten mich.

Sie verwandelten mich in eine Kuh.

Ich fiel tief und schrie laut „Muh“!

Tief in die Meere der Welt.

Und es gibt nichts, was mich hält.

Also treibe ich weiter.

Doch stärker kam ich zurück.

Und ich hatte Glück, denn nun bin

ich die Königin Ägyptens.

Und auch die schlimmste Zeit hatte nun

ein Ende.