Deutsch in der Oberstufe
„Ich glaube, man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? […] Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“
(Franz Kafka (1883-1924), deutsch-tschechischer Autor.)
Die besondere Aufgabe der Einführungsphase (Klasse 11) besteht vor allem darin, die Schülerinnen und Schüler auf die folgende, schon abiturrelevante Qualifikationsphase anhand exemplarisch konzipierter Unterrichtseinheiten systematisch vorzubereiten. Ähnlich wie die Klasse 5 hat also die Einführungsphase die Funktion einer ‚Gelenkstelle‘ innerhalb der gymnasialen schulischen Ausbildung. Die in den Klassen 5-10 erworbenen fachspezifischen und fächerübergreifenden Kenntnisse sollen gefestigt, vertieft und erweitert werden. Insbesondere die Schülerinnen und Schüler, die von anderen Schulen (z. B. Sek.I-Gymnasium, Oberschule, IGS, KGS, BBS) an das Willms-Gymnasium kommen, erhalten so ein Jahr lang die Möglichkeit, eventuell vorhandene Defizite auszugleichen und persönliche Stärken weiterzuentwickeln. Dabei sollen sie die neu erworbenen fachlichen und methodischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auch bei der Bewältigung komplexer Arbeitsaufträge zunehmend selbstständig anwenden. Außerdem erhalten alle Schülerinnen und Schüler realistische Einblicke in die unterschiedlichen Anforderungen der Kurse in der folgenden Qualifikationsphase auf grundlegendem und erhöhtem Anforderungsniveau, was für sie die spätere Kurswahl sehr erleichtert und die Erfolgsaussichten im Hinblick auf das Abitur vergrößert.
Nach der Einführungsphase (Klasse 11) stehen in der Sekundarstufe II in der folgenden Qualifikationsphase (Klasse 12-13) sowohl im dreistündigen Kurs auf grundlegendem Anforderungsniveau (Grundkurs) als auch im fünfstündigen Kurs auf erhöhtem Anforderungsniveau (Leistungskurs) die Erweiterung und Vertiefung der sprachlichen, literarischen und medialen Bildung der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt der nun unterschiedlich intensiven pädagogischen Arbeit. Dabei fördert der Deutschunterricht die kontextbezogene Aufnahme und angemessene Würdigung künstlerischer Produktionen verschiedenster literarischer Epochen mit ihren eben nicht nur männlichen, sondern gleichermaßen auch weiblichen Autor*innen und erweitert damit die ästhetische Genussfähigkeit sowie die ethisch fundierte Urteilsbildung der jungen Erwachsenen. Auf diese Weise trägt er ganz wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Ausbildung einer eigenen Lese- und Schreibidentität der Schülerinnen und Schüler in einer dem Prinzip der Gleichheit von Mann und Frau verpflichteten demokratischen Gesellschaft bei.
Im Kompetenzbereich „Reflexion über Sprache“ werden vertiefte theoretische Kenntnisse über die Sprache und ihre kommunikative Funktion erworben. Zugleich wird im Rahmen soziologischer Forschungsansätze über den eigenen und fremden Sprachgebrauch intensiv nachgedacht. Bewusst wird hierbei der Einfluss von Fremdsprachen wie Latein, Englisch, Französisch, Spanisch oder Türkisch auf die deutsche Sprache reflektiert.
Darüber hinaus bereitet der Deutschunterricht in der Sekundarstufe II die Schülerinnen und Schüler wissenschaftspropädeutisch auf die allgemeinen und spezifischen Anforderungen eines Universitätsstudiums vor. Wichtig ist dabei die Anbindung der eA-Kurse Deutsch (Leistungskurse) an das von der selben Lehrkraft parallel unterrichtete Seminarfach, in dem eine universitäre Standards einführende Facharbeit im Umfang von circa 15 Seiten angefertigt werden muss. Dabei soll die Sprache von den Schülerinnen und Schüler zunehmend als erkenntnisstiftendes und Wissen ordnendes Instrument eingesetzt werden, wodurch ihr Sprachbewusstein geschärft und ihre Schreibkompetenz weiter ausgebildet werden kann.