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Vor zehn Jahren: Juliane Kohfeldt glänzt bei der Unihockey-WM

18.03.17 | Delmenhorster Kreisblatt

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Delmenhorst. Vor zehn Jahren bestritt die Delmenhorsterin Juliane Kohfeldt ihr erstes Unihockey-Länderspiel und befand sich am Höhepunkt ihrer damaligen Karriere. Eine Karriere, die steil bergauf ging: Denn gut zwei Jahre zuvor hatte sie mit heutigen Floorball (früher Unihockey) noch nichts am Hut.

Der Sport schreibt bekanntlich manchmal verrückte Geschichten von blitzartigen Aufstiegen – man trifft immer mal wieder auf Ausnahmetalente, die in enormem Tempo Karriere machen. Der Fall von Juliane Kohfeldt ist aber noch einmal fast eine eigene Kategorie für sich. Innerhalb von nur einer Saison brachte es die Delmenhorsterin zur Nationalspielerin im Floorball, das damals unter Unihockey firmierte. 2007 lief sie für Deutschland im dänischen Frederikshavn bei der B-Weltmeisterschaft auf und verpasste den Aufstieg in die A-Division nur knapp.

Vom Hockey zum Unihockey

Angefangen mit dem „normalen“ Hockeysport feierte Kohfeldt, die damals noch Hoffmann hieß und inzwischen mit Werder Bremens U23-Trainer Florian Kohfeldt verheiratet ist, mit dem HC Delmenhorst die ersten Erfolge. Schnell wurde klar, dass in der jungen Delmenhorsterin viel Potenzial schlummert. Sie wechselte zum Club zur Vahr nach Bremen und spielte fortan in der Bundesliga. „Aus verschiedenen Gründen habe ich dann mit Hockey aufgehört“, sagt die Lehrerin, die am Delmenhorster Willms-Gymnasium unterrichtet. „Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Es sollte aber eine Sportart sein, bei der ich nicht bei Null anfange.“ An der Universität belegte sie einen Kurs in der aus Schweden kommenden Sportart Unihockey, die Elemente aus dem Hallen- und dem Eishockey vermischt. „Unihockey ist schneller und körperbetonter, da gibt es schon mal einen blauen Fleck“, betonte sie schon vor zehn Jahren. Beim Floorball handelt es sich um eine der schnellsten Hallensportarten.

Bereits nach der ersten Saison rief der Nationaltrainer an

Nach den ersten Schnupperstunden besuchte sie 2005 ein Probetraining beim Bundesligisten TV Eiche Horn und war gleich Teil des Teams. Schon nach ihrer ersten Saison meldete sich der damalige Nationaltrainer und lud sie zu einem Trainingslager ein. „Ich habe mich natürlich tierisch gefreut“, sagt Kohfeldt. „Aber ich hatte auch sehr viel Respekt vor den gestandenen Nationalspielerinnen.“ Nach dem ersten Anruf ging alles ganz schnell, denn bereits nach ihrem zweiten Trainingslager erhielt die sportlich vielseitig begabte Delmenhorsterin die Einladung zur B-Weltmeisterschaft 2007 in Dänemark.

WM-Teilnahmen 2007, 2009 und 2011

„2007 war für mich persönlich die erfolgreichste WM“, sagt die Sportlerin. „Zu der Zeit war Floorball noch eine extreme Randsportart. Auch deswegen ging in meiner Karriere alles ziemlich schnell.“ Sie stand als Neuling in allen sechs Spielen auf dem Feld und hatte mit fünf Scorerpunkten ihren Anteil am Erfolg. „Ich war wirklich überrascht, dass es so gut lief.“ In den Gruppenspielen schlug Deutschland Kanada (11:2) und Australien (4:2), musste sich aber dem Favoriten aus Polen mit 4:5 geschlagen geben. Nach einem 6:4 im Halbfinale gegen die Niederlande warteten im Finale um den Aufstieg in die A-Division erneut die Polinnen – Deutschland verlor mit 1:3.

Etwas schwierig gestaltete sich der Umstand, dass die Spielerinnen die Kosten, die die WM mit sich brachte, alleine stemmen mussten. So war während der Vorbereitung nicht nur das sportliche Geschick gefragt, sondern auch die Fähigkeit, zu sparen und Geld zurückzulegen. „Das war gar nicht so leicht“, sagt sie. „Da wurde schon früh bei den Großeltern und Tanten angefragt.“ Nach 2007 folgten WM-Teilnahmen 2009 und 2011.

„Der zeitliche Aufwand war wirklich extrem“

Die Förderung funktioniert in ihrer Sportart inzwischen besser. „Ich wurde damals einfach ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sich die Sportlehrerin. „Das wäre so in dieser Form heute wohl nicht mehr möglich.“ Im Norden sei die Förderung der Talente kaum angekommen, was zur Folge hatte, dass das Niveau zu anderen Spielerinnen deutliche Unterschiede aufwies. „Ich habe mich persönlich nicht so weiterentwickelt wie anfangs erhofft“, gibt sie zu. „Deutschland ist mittlerweile aber auf einem sehr guten Weg.“ 2012 beendete Kohfeldt ihre aktive Karriere. Zu dieser Zeit trainierte sie in Lilienthal, spielte aber für den Mitteldeutschen Floorballclub in der Bundesliga, was bedeutete, dass sie jedes Wochenende nach Leipzig fahren musste. „Der zeitliche Aufwand war wirklich extrem. Als ich dann schwanger wurde, war für mich die Zeit gekommen, um aufzuhören“, erzählt die 33-Jährige.

Unihockey auch in der Schule

Die Verbundenheit zu ihrem Sport zeigte die Sport- und Englischlehrerin auch während ihres Referendariats am Willms-Gymnasium, als sie dort Floorball einführte. „Mittlerweile hat sich diese Sportart richtig etabliert“, erzählt sie. „Gerade für Kinder ist Floorball gut geeignet, da sehr schnell Fortschritte sichtbar werden.“ Vielleicht schreibt auch hier der Sport wieder seine eigene Geschichte – und Juliane Kohfeldt bringt durch ihr Engagement den nächsten Nationalspieler hervor.