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Veni-vidi-vici – Ein Interview mit Gaius Iulius Caesar

22. Februar 2021 | Fachgruppe Latein

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Lieber Gaius Julius Caesar!

Wir, die Lateinerinnen und Lateiner der Klassen 10d und 10e des Willms-Gymnasiums, lesen gerade Ihr Buch über den gallischen Krieg – das Bellum Gallicum!

Sie sind ja sicherlich stolz, dass Ihr Werk nach über zweitausend Jahren immer noch in der Schule gelesen wird.

Momentan sind wir noch ganz am Anfang, haben aber schon viel über Gallien erfahren und sind jetzt gespannt, wie sich der Konflikt mit den Helvetiern weiterentwickelt!

Wir haben uns natürlich auch mit Ihrer Person befasst – Sie hatten ja ein sehr bewegtes Leben! Einige Fragen sind offen geblieben und wir würden uns sehr freuen, wenn Sie bereit wären, uns diese zu beantworten! Ist das für Sie ok?

1) Sie sind im Jahre 100 v. Chr geboren und haben somit in der ersten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. eine turbulente Zeit in Rom miterlebt: Können Sie erklären, was da los war und welche Folgen das für Ihr Leben hatte?

Ja, es war wirklich eine sehr turbulente Zeit, schließlich herrschte Bürgerkrieg, ausgelöst von den Feldherren Marius und Sulla aufgrund ihrer unterschiedlichen politischen Ansichten. Leider siegte Sulla und wurde zum Diktator ernannt, sodass auch ich in großer Gefahr schwebte. Doch ich erkannte die Gefahr und ging in den Kriegsdienst nach Asien und kehrte erst nach Sullas Tod zurück.

2) Die Ämterlaufbahn sind sie erfolgreich durchlaufen und sind 59 v. Chr. Konsul geworden. Das hat Ihnen aber nicht gereicht: Sie haben sich mit Pompeius und Crassus zu einem Bündnis zusammengetan – erzählen Sie uns mehr darüber!

Wie sie wissen, strebte ich immer nach Macht und ich erkannte, dass Pompeius machtvoller war als ich. Ich wollte mehr als nur Konsul sein, um auch und sogar eine noch höhere Sonderstellung als Pompeius zu erhalten, deswegen machte ich mir Pompeius Forderungen zu eigen und versuchte sie durchzusetzen. Dadurch, dass wir dann noch mit Crassus einen Freundschaftsbund eingegangen sind, konnten wir dem Senat unsere Forderungen aufzwängen.

3) Später aber haben Sie sich in dem von Ihnen angefachten Bürgerkrieg gegen Pompeius gestellt: Erklären Sie uns, wie es dazu kommen konnte!

Pompeius hat mir meine Macht nicht gegönnt, das war der Grund. Er dachte, ich würde ihn verraten und verschwor sich gegen mich. Er forderte den Senat dazu auf, mich von Gallien abzuberufen. Dabei war ich doch so erfolgreich und so etwas habe ich mir nicht gefallen gelassen, deswegen ist es dann dazu gekommen.

4) Der Bürgerkrieg war nicht der einzige Krieg, den Sie geführt haben: Sie haben auch Gallien erobert – warum haben Sie das gemacht?

Der Grund heißt Macht. Dadurch, dass ich Gallien erobert habe, bekam ich Macht, Anerkennung und Kontrolle. Außerdem wuchs dadurch Rom zu einer Weltmacht. Und sie sehen daran, dass heute noch darüber gesprochen wird, dass es sich gelohnt hat.

5) Ihre Eroberungszüge in Gallien haben sie schließlich in dem Bellum Gallicum niedergeschrieben: Mit welcher Absicht haben Sie dieses Buch eigentlich verfasst?

Sie sehen, ich bin in vielerlei Hinsicht talentiert gewesen. Das Buch diente als Propagandamittel. Natürlich wusste ich damals noch nicht, dass man es heute als ,,Propaganda‘‘ bezeichnet, doch auch ich habe mich mittlerweile der hochdeutschen Sprache angepasst. Mir gelang es mit dem Buch, alles so aussehen zu lassen, dass die Kriege etc. nur der Verteidigung dienen und ich alle Kriege nur mit den besten Absichten beginne. Durch das Buch baute ich das Bild eines, wie sagt man heute…, ,,Sündenbockes‘‘ auf. Das Buch hatte auch noch eine kleinen, aber feinen Nebeneffekt: Ich bekam so nämlich auch etwas Anerkennung von Cicero, aber nicht, dass ich das nötig gehabt hätte.

6) Sie hatten Zeit Ihres Lebens zahlreiche Frauengeschichten, wenn wir das so sagen dürfen. Eine Frau hat Ihnen aber besonders den Kopf verdreht: Kleopatra! Wie haben Sie Kleopatra kennengelernt und was hat Sie an dieser Frau so fasziniert?

Oh Kleopatra, das war echte Liebe. Sie werden es mir kaum glauben, aber sie ließ sich eingerollt in einen Teppich in meine Residenz tragen und legte da den besten Auftritt aller Zeiten hin. Es war Liebe auf den ersten Blick. Meine anderen ,,Frauengeschichten‘‘ wie sie es nennen, bezogen sich meistens auf das körperliche, doch mit Kleopatra war das anders. Bei ihr reizte mich ihr listiger, mutiger Charakter. Sie war so machtbewusst, klug und wunderschön. Jede feine Sitte hinterließ einen tiefen Eindruck.

7) Ihr Tod, lieber Caesar, war tragisch: Können Sie sich im Nachhinein erklären, warum Sie auf so brutale Art und Weise ermordet wurden?

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was die alle gegen mich hatten. Aber wahrscheinlich waren sie einfach eifersüchtig und ängstlich. Schließlich hatte ich die alleinige Macht und das fanden die meisten Adeligen historisch bedingt allein schon nicht gut. Es galt nun mal eigentlich der Grundsatz ,,Keiner darf zu mächtig werden!‘‘. Diesen Grundsatz habe ich für mich verändert: ,,Keiner darf zu mächtig werden, außer mir, Caesar!‘‘ Doch ich war auch selbst schuld, denn ich tappte in meine eigene Falle. Schließlich wurde ich gewarnt, doch sie haben mich angreifbar gemacht dadurch, dass sie mich wie ein Gott behandelten. Ich war mir zu sicher, dass niemand es wagen würde, sich gegen mich zu stellen. Diese Art von Tod hatte aber auch einen Vorteil, u.a. deswegen bin ich auch über meine Lebzeit einer der berühmtesten Personen der Welt.

Das Interview führte Maya Thase. Lehrkraft der Lerngruppe ist Sebastian Reuter