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Christoph Jehlicka liest in seiner Geburtsstadt Delmenhorst „Das Lied vom Ende“ ist erst der Anfang

12.02.19 | NWZ

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Frage: Sie lesen am Montag, 18. Februar, in Ihrer Geburtsstadt Delmenhorst aus Ihrem Debütroman „Das Lied vom Ende“. Worum geht es?
Christoph Jehlicka: Es ist die Geschichte der Familie Schult, erzählt aus vier Perspektiven: denen der Eltern und der beiden heranwachsenden Söhne. Die Welt dieser Familie wird durcheinander gerüttelt, als in der Nachbarschaft ein Vater seine Familie und sich selbst umbringt. Dadurch kommen allerhand Probleme zutage, die zuvor unter der Oberfläche schwelten.
Frage: Der Ausgangspunkt ist angelehnt an den wahren Fall des erweiterten Suizids eines Familienvaters in Hude (2010), ihrem Heimatort. Warum haben Sie dieses Szenario gewählt?
Jehlicka: Als Jugendlicher wollte ich immer weg aus Hude – es hat mich gelangweilt. Gleichzeitig war es für mich der Inbegriff einer heilen Welt, in der nichts Schlimmes passieren kann. Als ich von dieser Sache erfuhr, hat das bei mir einen Nerv getroffen, zumal ich gerade selbst Vater geworden war. Es geht im Roman ja nicht um den konkreten Fall aus Hude, sondern um die emotionale Dynamik innerhalb von Familien. Der erweiterte Suizid ist in dieser Hinsicht das Worst-Case-Szenario. Und in meiner Geschichte der Anstoß, der den Stein ins Rollen bringt.
Der Roman liest sich zum Teil wie ein Jugendroman. Haben Sie beim Schreiben an ein bestimmtes Publikum gedacht?
Jehlicka: Grundsätzlich habe ich eher an Erwachsene gedacht, allerdings überhaupt nicht an ein konkretes Publikum. Wenn es auch Jugendlichen gefällt – umso besser.
Frage: Ist es Ihnen dennoch wichtig, mit Jugendlichen über Ihr Buch zu sprechen – wie Sie es in Delmenhorst tun?
Jehlicka: Das ist meine erste Lesung an einer Schule und ich freue mich sehr darauf – bin aber auch aufgeregt: Man muss schließlich hohen Ansprüchen genügen, um vor dem Urteil von Jugendlichen zu bestehen. Weiß ich aus eigener Erfahrung.
Frage: Möchten Sie bei den Schülerinnen und Schülern auch das Interesse am Schreiben – oder zumindest am Lesen – wecken?
jehlicka: Das Lesen ist ja die Vorstufe zum Schreiben, zumindest war das bei mir so. Wenn ein Interesse für Literatur geweckt werden kann, ist das der Idealfall. Oft erreicht man ja diejenigen, die sich sowieso schon interessieren. Das Interesse erst zu wecken, wäre also umso toller.
Frage: Schreiben ist sicherlich sehr anstrengend, oder?
Jehlicka: Von außen betrachtet wirkt es vielleicht nicht so anstrengend, aber man muss sich schon reinknien, wenn man einen Roman schreiben will. Wer mal kleinere oder größere Arbeiten geschrieben hat, kennt das: Überhaupt anzufangen und dann dranzubleiben, erfordert viel Disziplin.
Frage: Wie lange hat es bei Ihnen gedauert von der ersten Idee bis zum fertigen Buch?
Jehlicka: Ungefähr sechs Jahre. Und die waren in der Tat sehr anstrengend – nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Meine Frau hat mich da wahnsinnig unterstützt. Wenn man nicht gerade einen Bestseller schreibt, verdient man ja kein Geld damit. Stattdessen kostet es viel Zeit und jede Menge Nerven.
Frage: Sie sind auch Literaturübersetzer. Sollte man selbst schreiben, um gut übersetzen zu können?
Jehlicka: Es ist natürlich von Vorteil, wenn man selber schreibt: Fast alles, was man zum Übersetzen braucht, bringt man dann schon mit, bis auf die die Sprachkenntnisse. Ich glaube, dass das Schreiben noch mal deutlich höhere Anforderungen stellt: Figuren und Handlungsbögen zu entwerfen und überhaupt erst eine Sprache zu finden. Aber das ist eben auch der Spaß daran.
Frage: Ist ein zweites Buch schon in der Mache?
Jehlicka: Ich bin gerade in der Vorbereitungsphase für das zweite Buch, also am Anfang des Schreibprozesses, wo es darum geht, die Ideen zu sortieren, den Handlungsprozess zu umreißen. Im Frühjahr soll es dann losgehen mit dem konkreten Schreiben.
Frage: Wann soll’s fertig sein?
Jehlicka: Gute Frage! Ich hoffe, dass ich es deutlich schneller fertig kriege, als das erste. Aber das hängt natürlich von vielen Faktoren ab, etwa was sonst beruflich und privat ansteht.
Frage: Zurück zu Delmenhorst: Was verbindet Sie mit der Stadt?
Jehlicka: Ich war als Kind oft da und erinnere mich gut an Wochenendausflügen mit der Familie. Für die Älteren unter den Lesern: Schwimmbadbesuche im Delfina waren immer ein Highlight. Oder Minigolfspielen in der Graft. Heute wohnen noch Verwandte von mir in der Stadt.
Frage: Freuen Sie sich auf den Abend am Willms-Gymnasium?
Jehlicka: Auf jeden Fall! Ich finde Lesungen immer toll – und dann noch in der alten Heimat …