Gymnasium an der Willmsstraße

Schulgeschichte

willms

Geschichte der Vorgängerschulen

1543

Die Vorgängerschule des Gymnasiums an der Willmsstraße, die Kantorschule, wurde bereits im Jahre 1543 nach der Auflösung des Domherrenstifts gegründet. Als Gründer wird der Reformator Hermann Bonnus genannt, der zugleich Inspektor der Kirchen Lübecks war. Der erste Rektor hieß Hieronimus Trabukirius.

1732

Der Konrektor der Kantorschule, Johann Michael Herbart (Großvater des Philosophen und Pädagogen Johann Friedrich Herbart) nimmt sich der Aufgabe an, das Niveau und Ansehen der Schule zu heben. Seine Initiativen enden mit seiner Berufung zum Rektor einer Schule in Oldenburg.

1795

Der Wohlstand der Stadt Delmenhorst geht stark zurück. Die Bürger erwirken ein Ende des Lateinunterrichts. Die Kantorschule wird mit der Volksschule vereinigt.

1815

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege entsteht in Delmenhorst wieder das Bedürfnis nach einer höheren Schule. Mit der Bürgerschule wird eine Privatschule gegründet, die staatliche Zuschüsse erhält. Die Leitung übernimmt der zweite Pastor der Pfarrgemeinde.

1871

Die Stelle des Rektors wurde erstmals nicht mit einem Theologen, sondern mit einem Philologen besetzt. Damit endete der kirchliche direkte kirchliche Einfluss auf die Schule.

1880

Die Bürgerschule ging in die Verwaltung der Stadt Delmenhorst über.

1888

Die Bürgerschule bezieht ihr neues Gebäude an der Schulstraße, das heutige C-Gebäude unseres Gymnasiums.

1895

Das Schulgebäude der Bürgerschule erwies sich erstmals als zu klein.

1900

Die Bürgerschule verzeichnete einen großen Zuwachs bei seinen Schülerzahlen. Wurden 1881 nur 64 Schüler unterrichtet, waren es nun fast 300.

Geschichte 1900-1914

1900

25. Januar: Das Delmenhorster Kreisblatt berichtete, dass der Vorstand der Bürgerschule für das heute Schulgrundstück am damaligen Koppelfußweg (Größe: 36 Ar) 10800 Mark geboten habe. Der Kirchenrat fordere als Eigentümer jedoch 12000 Mark.

10. Februar: Das Delmenhorster Kreisblatt berichtete, dass der Gesamtstadtrat und der Ausschuss der Bürgerschule den Ankauf des „Pastoreilandes“ genehmigt habe. In der gleichen Ausgabe wird auch darüber berichtet, dass der Kaufpreis 12000 Mark betragen habe.

13. April: Das Delmenhorster Kreisblatt teilte mit, dass der Vorstand der Bürgerschule zwei Tage zuvor den ersten Entwurf der neuen Schule gesichtet habe. Baurat Freese aus Oldenburg habe diesen erstellt. „Der Entwurf fand im allgemeinen Anerkennung, da derselbe sowohl in technischer als auch hygienischer Beziehungen den Anforderungen der Neuzeit Rechnung trägt.“ Einen Kostenvorschlag gebe es jedoch noch nicht.

22. Mai: Der Vorstand und der Ausschuss der Bürgerschule genehmigte den den Plan von Baurat Freese für den Bau der neuen Schule. Auch sein Kostenvoranschlag in Höhe von 100.000 Mark fand Zustimmung. Die neue Schule sollte eine Aula, ein Physikzimmer, ein Laboratorium und vier Klassenzimmer erhalten. Vier weitere Klassenräume im oberen Geschoss waren der Fortbildungsschule vorbehalten. Ein größerer Raum war für die Abhaltung der Stadtratssitzungen eingeplant. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die Einrichtung einer Badeeinrichtung mit zwei Duschen und zwei Badewannen im Untergeschoss geplant. Zwei Tage später berichtet das Delmenhorster Kreisblatt zudem über einen weiteren Beschluss des Ausschusses und des Vorstandes der Bürgerschule: „Bekanntlich werden an der Schule 20 Freistellen für begabte Schüler vergeben. Ein hierzu gestellter Antrag, auch die Beschaffung der Lehrmittelfür die betr. Schüler zu übernehmen, wurde vorläufig abgelehnt mit der Begründung, daß ein solches Vorgehen zu weit führen würde, und daß die Eltern, die nicht in der Lage sind, die Bücher für ihre Kinder zu beschaffen, auch für die weitere Ausbildung ihrer Kinder, nachdem sie die Schule verlassen, nichts thun können. Für solche Schüler wäre es richtiger, eine unserer guten Volksschule zu besuchen.

Die Delmenhorster Nachrichten berichteten am 24. Mai Folgendes:

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16. August: Das Delmenhorster Kreisblatt berichtete über die Vergabe der Bauarbeiten an der neuen Bürgerschule: Glaser- und Malerarbeiten: Malermeister Ferd. Meyer; Tischlerarbeiten: Tischlereimeister Hellmers aus Deichhorst; Schlosserarbeiten: Firma C.H. Schmidt; Schieferdeckarbeiten und Errichtung der Blitzableiteranlage: Schieferdeckermeister F. Segelken; Bauholzlieferung und Zimmerarbeiten: Firma J. J. Twisterling; Heizungsanlage: H. Klatte (Bremen).

Ferner sei eine Kommission gebildet worden, die die Schulpulte, das Physikzimmer und Weiteres des neuen Gymnasiums in Jever begutachten sollte. Zur Kommission zählten: Amtshauptmann Rabben, Pastor Langhorst, Kaufmann G. H. Suhr, Fabrikant Wichmann und Gärtner Heinken.

25. August: Grundsteinlegung der neuen Bürgerschule

28. August: Das Delmenhorster Kreisblatt zitierte zunächst die Rede von Pastor Langhorst zur Grundsteinlegung und berichtete dann Weiteres:

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Es sei auf den Wunsch des Bürgermeisters Willms zur Grundsteinlegung hingewiesen, der im Artikel zitiert wird:

„Möge dies Gebäude sein eine Pflegestätte freier deutscher Art und edler deutscher Sitte!“

15. Oktober: Der Gesamtstadtrat beschloss, die neue Knabenschule im Jahr 1904, spätestens im Jahr 1906 in eine Realschule umzuwandeln.

23. Oktober: Der vom Ausschuss der Bürgerschule zum Rektor gewählte Oberlehrer Neumüller, die damals an der Oberrealschule Oldenburg tätig war, lehnte ab, das Amt anzutreten.

3. November: Richtfest der neuen Schule

24. November: Die Kommission besuchte das neue Gymnasium in Jever. Besonders überzeugt die Mitglieder die Badeeinrichtung.

29. November: Das Delmenhorster Kreisblatt berichtete, dass der Großherzog zu Oldenburg entschieden habe, den Oberlehrer Dr. Borchard aus Wismar zum ersten Rektor der neuen Schule zu ernennen.

1901

24. März: Bürgermeister Willms verstarb nach langer Krankheit im Alter von nur 34 Jahren.

31. März: Die „alte“ Bürgerschule, in der Mädchen und Jungen unterrichtet wurden, wurde aufgelöst. Der damalige Rektor Dr. Henning sagte auf der Schlussfeier: Möge Gottes reicher Segen ferner die neuen Anstalten geleiten; möge die Fürsorge der städtischen Behörden ihnen immer die Mittel gewähren, die zu vollem Gedeihen der Schule notwendig sind, und möge den Besuchern zum Segen und der Stadt zur Ehre und Freude gereichen. Möge die Jugend in ihr mit edlem Streben und der höchsten Ausbildung des Geistes erfüllt werden und zu tüchtigen Bürgern heranwachsen. Möge in ihr aber auch stets ein solcher Geist herrschen, der eine Bürgschaft dafür biete, daß edle Menschen herangebildet werden, erfüllt mit wahrer Liebe zum Guten und mit begeisterter Hingabe an Heimat und Vaterland, das ist doch immer ein noch größerer Gewinn, als ein etwas größeres Maß von Wissen. Die neuen Schulen mögen in jeder Beziehung wachsen, blühen und gedeihen.“

1908

Der Stadtrat beschließt den Ausbau der Schule zur Oberrealschule ab 1910. Für Mädchen, die in die Oberstufe eintreten wollen, gelten allerdings Einschränkungen: Sie müssen gute Zeugnisse vorweisen können und werden nur auf Probe aufgenommen.

1911

Die Realschule feiert mit 326 Schülerinnen und Schülern ihr zehnjähriges Bestehen.

1913

Die ersten sechs Abiturienten bestehen ihre Reifeprüfung.

Geschichte 1914-1918

Am 8. August 1914 erfolgt die Notprüfung der Abiturienten, die sich ausnahmslos als Kriegsfreiwillige gemeldet haben. Viele von ihnen fallen schon im ersten Kriegsjahr. Der Krieg bestimmt in den folgenden Jahren das Schulleben: die Schüler werben für Kriegsanleihen; sie sammeln erst Goldschmuck, dannn Altmaterial. Im Verlauf des Krieges werden die Versorgungsschwierigkeiten immer größer; Schulfeiern aus Anlass gewonnerer Schlachten werden immer seltener. Insgesamt fallen 61 ehemalige Schüler im 1. Weltkrieg.

Geschichte 1919-1932

1918-1922

Schüler und Lehrer leiden unter der allgemeinen Not. Kinderspeisungen, die durch Spenden vor allem amerikanischer Organisationen wie der Quäker ermöglicht werden, können die Not nur lindern.

1925

Für die Schülerinnen der Unterstufe wird ein eigener Zweig, ein Lyzeum, abgeteilt. Die Oberstufe wird im Sinne der Richtertschen Reform, die Grundzüge der späteren reformierten Oberstufe vorwegnimmt, umgestaltet.

1926

Die Schule feiert ihr 25jähriges Bestehen.

1927

Professor Wilhelm Kluckhohn tritt die Nachfolge von Geheimrat Dr. Karl Borchard als Schulleiter an.

Die Geschichte von 1928 bis 1933 wird in Kürze ergänzt.

Geschichte 1933-1945

Die Homepage-Redaktion hat den Anspruch, die Schulgeschichte im Nationalsozialismus wirklichkeitsgetreu darzustellen. Wir bitten um Geduld, bis die umfangreichen Recherchen ein vorzeigbares Ergebnis hervorgebracht haben.

Geschichte seit 1945

1945

Am 18.09.1945 wird die Schule wieder geöffnet. Schulleiter (bis 1952) wird OStD Fritz Blum.

1945-1948

Die materiellen Schwierigkeiten sind in den ersten Nachkriegsjahren gewaltig: Raumnot, fehlendes Mobiliar, Mängel an Heizmaterial. Schichtunterricht und Wanderklassen sind die Regel. Durch den Zuzug vieler Flüchtlinge seigt die Zahl der Schüler sprunghaft an.

1946

Im April finden die ersten Schulspeisungen statt. Wieder helfen vor allem amerikanische Wohlfahrtsorganisationen.

1948

Die Lebens- und Lernbedingungen verbessern sich allmählich. Die „Vereinigung der Freunde und Förderer der Staatlichen Oberschule“ wird gegründet.

1950

Das Hauptgebäude wird endlich wieder aufgebaut.

1951

Am 22. April feiert die Schule ihr 50jähriges Bestehen im neuen Schulgebäude. Die Schülerzahl steigt wenig später auf 1100 Schüler in 28 Klassen. Hinsichtlich des Fächerangebots beginnt eine Zeit des Experimentierens mit unterschiedlichen Sprachenfolgen und Zweigen.

1952

Neuer Schulleiter des Willms wird OStD Heinrich Wolk.

1952

Die Stadt gründet eine zweite Oberschule, das spätere „Max-Planck-Gymnasium“. Die Zahl der Schüler des Willms sint deshalb in den folgenden Jahren deutlich.

1954

Die Stadt Delmenhorst übernimmt wieder die materielle Schulträgerschaft und leistet erhebliche Aufwendungen. Im Treppenhaus des A-Gebäudes wird eine Gedenkstätte für die in den beiden Weltkriegen gefallenen Schüler und Lehrer eingerichtet.

Auf Initiative der neugegründeten Schülermitverwaltung (heute Schülervertretung genannt) erscheint die erste Schülerzeitung „Prisma“.

Die Zeit von 1955 bis 1994 wird in Kürze ergänzt.

1995

Neuer Schulleiter wird OStD Burkhard Leimbach.

1996

Die „Nachmittagsbetreuung“ wird zur „Offenen Ganztagsschule“ weiterentwickelt. Zur Versorgung wird die schon lange ersehnte Cafeteria geschaffen. Die Schule erhält zudem einen Internetanschluss.