Gymnasium an der Willmsstraße

Das Rennrad lässt Scherf mittlerweile stehen

| NOZ/Delmenhorster Kreisblatt

Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf ließ einige Einblicke in sein privates Leben zu, als er nun im Willms-Gymnsium referierte. Das Alter macht auch ihm zu schaffen, gestand er ein.

„Und was machen wir nun?“ Das fragte sich Henning Scherf, als er um die 40 war. Er war früh Vater geworden, und die bereits volljährigen Kinder waren aus dem Haus. Danach packte er ein Leben an, das ihn schließlich in den Chefsessel im Bremer Rathaus führte. Über den Wandel danach und das Leben im Alter referierte der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt, mittlerweile 80 Jahre alt, nun im Willms-Gymnasium.

Bürgernah auf dem Rad durch die Stadt

Schulleiter Stefan Nolting eröffnete den Abend im Rahmen der Vortragsreihe „Begegnungen im Willms“ – dann zeigte ein Begrüßungsfilm im Schnelldurchlauf die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben von Scherf. Ein prägender Satz des Gastes ist: „Tach auch, ich bin Ihr Bürgermeister!“ Mit diesen Worten ist Scherf den  Bürgern Bremens in Erinnerung geblieben. Täglich fuhr er mit dem Rad durch seinen Stadtstaat und zeigte sich stets bürgernah. Der Eindruck bestätigte sich auch im Willms: Entspannt und gut gelaunt schlendert Scherf während des Vortrags seiner Lebensgeschichte durch die Reihen und kommt mit den Besuchern ins Gespräch.

Familie nahm Flüchtlingsfamilie auf

Zu der damaligen Frage, was nun nach dem Auszug der Kinder zu tun sei: Scherf beschloss, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen und zu unterstützen. Das war eine Episode seines Lebens, aus dem er berichtete. Auch den Rausschmiss aus der SPD in jungen Jahren und den späteren Wiedereintritt oder Schaffensjahre in Hannover und Berlin ließ er nicht unerwähnt.

Leben in einer WG

Bereits seit 32 Jahren wohnt der Kult-Bremer in einer WG im Zentrum der Hansestadt. Die anderen Mitbewohner und er haben in den letzten Jahren die Zahl der Autos des Hauses von sieben auf einen reduziert. Das stärke die Gemeinschaft und Kommunikation untereinander, so Scherf. Doch bei aller Sportlichkeit und allem Umweltbewusstsein: Er muss sich auch eingestehen, dass das Rennradfahren nicht mehr ganz so gut klappt wie früher. Daher probiert Henning Scherf aktuell ein E-Bike zur Miete aus, um auch in Zukunft sich und den Bürgern als Radfahrer in der Stadt treu zu bleiben.

  Viele Sterbebegleitungen erlebt

Scherf  erzählte von den zahlreichen Sterbebegleitungen, die er bereits erlebt hatte. Von den Unterschieden des Alterns von Heute zu früher – darunter die Gefahr von Altersarmut. Moderiert wurden die Fragen von den beiden Schülerinnen Chiara Wedler und Marie-Louise Wördehoff sowie den beiden Geschichtslehrern Sören Hopf und Jelena Jovicic.