Gymnasium an der Willmsstraße

Jonas Sinnhöfer in Taiwan: ein erster Bericht

von Klaas Wiggers |

Der 19.08.2018. Das ist der Tag an dem es losgehen soll. Die Sommerferien vergehen wie im Flug und schon stehe ich im Flughafen und verabschiede mich von meinem Club und meiner Familie. Zuerst fliege ich nach Frankfurt, von wo es dann direkt nach Taipei geht. Nach 13 Stunden kommen alle deutschen Austauschschüler am Flughafen an. Ich hole meinen Koffer, verabschiede mich von den Anderen und gehe durch eine Tür in den „Abholbereich“, wo mich mein YEO aufgeregt in eine Ecke lotst. Ich werde von sehr vielen Menschen sehr herzlich begrüßt und mache unzählige Fotos. Alle stellen sich mir vor, aber ich bin so müde, dass ich nur die Namen von meiner Gastmutter und von meinem Gastbruder behalte. Wir fahren zu einer Art Schnellimbiss, wo wir „Gefüllte Reisbällchen“ essen. Da ich nicht der einzige Austauschschüler unseres Clubs bin, warten die meißten noch auf die Ankunft eines Mädchens aus Tschechien. Meine Familie und ich fahren aber nach Hause, da ich sehr müde bin. Zu Hause angekommen sehe ich mein Zimmer und bin sehr froh. Mein Zimmer ist ziemlich groß und hat ein eigenes Bad. Ich überreiche die Gastgeschenke und wir fahren Abendbrot essen. Während mein Gastvater zur Arbeit fährt, gehen meine Gastmutter, mein Gastbruder und ich Eisessen. Es gibt sehr spezielles Eis mit roten Bohnen, grünem Tee, süßen Kartoffeln und Reis. Hört sich komisch an, sieht auch komisch aus, schmeckt aber ziemlich gut. Danach gehen wir zu einer Universität, um zu joggen. Alles in allem ein sehr langer, stressiger und interresanter Tag mit viel Essen.

Der zweite Tag ist auch sehr besonders. Ich esse zum ersten Mal Barbeque in Taiwan und darf dann beim Ernten von sehr vielen Früchten helfen. Besonders das Ernten von Bambus ist sehr anstrengend. Zusammen mit meinem Bruder und meinem Onkel macht es aber sehr viel Spaß. Ich trinke viele verschiedene Sorten Tee und bekomme eine heimische Sim-Karte für mein Handy. Zudem erhalte ich meinen ersten Chinesisch-Unterricht, bei dem es hauptsächlich um Aussprache des Bopomofo (eine Art chinesisches Alphabet) geht. Nach einem Besuch in einem japanischen Restaurant kaufe ich zum ersten Mal in Taiwan etwas ein. Am nächsten Tag fliege ich nach Penghu. Penghu ist eine Insel, die auch noch zum Distrikt1850 gehört. Sie ist nicht wirklich groß ist, aber dafür in Taiwan sehr berühmt und beliebt. Hier gibt es fast ausschließlich „Seafood“ und so kommt es, dass ich zum ersten Mal Kraken probiere. Neben dem Essen ist Penghu berühmt für die riesige Anzahl an Tempeln. Sie enstanden dadurch, dass immer gebetet werden musste, bevor jemand ohne Gefahr zum Festland reisen konnte. Leider regnet es sehr stark, wodurch mein anderer Gastbruder und mein Gastvater nicht nachkommen können und wir somit nicht wirklich spannende „Outdoor-Aktivitäten“ betreiben können. Also lerne ich kurzerhand Mahjong und Xiangqi und spiele es zusammen mit meinem Onkel Eric, meiner Tante und ihrem Sohn Jim. Ich mache richtiges Eis (Oreoeis^^) und fahre danach zu einem Rotarytreffen. Ich teste Bubble-Milk-Tea, gehe mehrmals Muscheln sammeln und baue eine riesengroße Sandburg. Ich bringe meiner Familie eine Menge Kartenspiele bei, da die Kommunikation über Karten deutlich einfacher ist als über die Sprache. Wir Rudern und machen Radtouren, schauen uns Tempel und Wasserparks an und haben eine Menge Spaß. Ich erhalte einen Stempel mit meinem chinesischen Namen und fliege wieder zurück. Nach gut einer Woche in Taiwan treffe ich zum ersten Mal die anderen Austauschschüler, die auch auf meine Schule gehen.

In meiner Klasse sind 33 Mädchen und 3 andere Jungen. Ich erhalte meine Schuluniform und werde in meine Klasse geschmissen. Wie es sich herausstellt sind die meißten Taiwanesen sehr schüchtern und schämen sich für ihr gebrochenes Englisch. Trotzdem finde ich schnell Freunde und bringe einem meiner Klassenkameraden Schach bei. Mittlerweile ist ein Monat vorbei und mein Alltag sieht ungefähr so aus: Ich stehe um 6:15Uhr auf, gehe Duschen, esse Etwas und fahre zur Schule. Montags, dienstags und freitags habe ich dort dann Chinesisch-Unterricht. Dienstags gibt es einen Morgenappell und manchmal ein paar Erdbebenevakuierungstrainings. Ich lerne immer mehr neue Menschen kennen (über Sport wie Basketball oder Volleyball oder auch über Unterhaltungen z.B. während einer langen Rede). Abends esse ich dann zusammen mit meiner Familie, gehe joggen, lerne Chinesisch, spiele Karten oder unterhalte mich nur mit ihnen. Die Rotarytreffen von meinem Club sind nicht wirklich sehr interessant, was daran liegt, dass ich nichts verstehe. Trotzdem gehe ich gerne hin um neue Kontakte zu knüpfen und an möglichst vielen Events teilnehmen zu können (z.B. Bergsteigen und Schachturniere).

Ich bin hier sehr glücklich und zufrieden. Die Schule dauert hier allerdings sehr sehr lange und der Verkehr ist extrem gefährlich. Ach ja, ich bekomme viel zu viel zu essen. Dafür sind alle Menschen mega nett und hilfsbereit (wenn man sie anspricht und sie sich trauen zu antworten). Die Schule organisiert extra Programme für uns Austauschschüler. Ich habe eine mega gute und nette Chinesischlehrerin. Meine Familie ist einfach nur toll und die Nachtmärkte sind einfach so groß, dass einem garnicht langweilig werden kann.

Viele Grüße aus TAIWAN

Jonas Sinnhöfer