Gymnasium an der Willmsstraße

In Delmenhorst wird Digitalität gefördert

| NWZ

Leise summt der 3D-Drucker vor sich hin. Als er seinen Auftrag vollendet hat, leuchtet ein Lämpchen auf. Innerhalb kurzer Zeit hat das Gerät eine rote Schraube mit passendem Gewinde produziert. Dies alles spielt sich nicht bei einer Hightech-Firma ab, sondern in einem Klassenraum des Gymnasiums an der Willmsstraße in Delmenhorst. Der 3D-Drucker soll ab August, also zum Beginn des neuen Schuljahres, fester Bestandteil eines großen „Makerspace“ sein.

In diesem Mini-Laboratorium werden Fächer wie Informatik, Mathematik, Chemie, Biologie, Kunst und Politik miteinander verzahnt. Der Unterricht soll selbstentdeckend und forschend gestaltet werden. Neben dem 3D-Drucker, der durch eine 12 000-Euro-Spende des Fördervereins finanziert wird, werden Lego-Roboter, digitale Thermometer, Hochleistungsrechner und eine 3D-Brille angeschafft, um die Schüler auf die Berufe der Gegenwart und Zukunft vorbereiten zu können. Der Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint). „Wir wollen Schule neu denken und setzten dabei auf die Schüler als Digital Natives“, sagte Schulleiter Stefan Nolting: „Mit der neuen Ausstattung sind wir Vorreiter in der Region.“

Für ihr Abitur haben 31 Schüler des Gymnasiums den Schwerpunkt Informatik gewählt. „Das zeigt den Bedarf“, meinte Nolting. Deshalb werde man den Schülern die nötigen Ressourcen und Fachexpertise zur Verfügung stellen. Für die neue Ausstattung stehen der Schule Gelder aus der Digitalisierungsoffensive des Bundes zur Verfügung. Das Willms-Gymnasium erhält insgesamt 538 000 Euro. „Diese Gelder müssen wir innovativ, zukunftsweisend und zielorientiert einsetzen“, weiß Schulleiter Nolting um die Bedeutung.

Den Startschuss für den 120 Quadratmeter großen „Makerspace“ inklusive dreier Vorräume gab am Mittwoch der FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Dürr. „Unser Ziel ist es, die Schulen fit zu machen für die Digitalisierung“, sagte Dürr. Im internationalen Wettbewerb sei Deutschland inzwischen ins Hintertreffen geraten: „Wir haben etwas aufzuholen.“ Deshalb habe die Bildung oberste Priorität.

Für die Umsetzung im Unterricht sind auch Informatiklehrer Jac-Simon Kühn, Kunstlehrerin Anja Vorwerk und Studiendirektor Karsten Kretzschmar zuständig. Sie zeigten Dürr den 3D-Drucker und erstellten Schrauben und kleine Schullogos. „Wir entwerfen ein Konzept, um die Geräte in den Unterricht einzubauen“, sagte Vorwerk. Die Schüler können sich auch in den „Makerspace“ einmieten, um eigene Projekte voranzutreiben. Um die Pläne vorzustellen, wird Studiendirektor Klaas Wiggers mit seinen Schülern zudem Staatsministerin Dorothee Bär besuchen.

Veranschaulicht wurde die Digitalisierung am Gymnasium durch den Chemie-Leistungskurs. Unter der Leitung von Lehrer Dirk Hilge zeigten vier Zwölftklässler ein Experiment. Zum Einsatz kamen digitale Messgeräte, die die Daten an eine App auf dem Handy der Schüler sendeten. „Den Hochleistungsrechner hat heute jeder in der Tasche. Das wollen wir nutzen“, erklärte Hilge. So sieht der Unterricht der Zukunft aus.