Gymnasium an der Willmsstraße

Debatte in Delmenhorst Willms-Schüler nehmen Ministerpräsident Weil in die Zange

| NOZ/Delmenhorster Kreisblatt

Kaum besucht Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Delmenhorst, darf er sich im Willms-Gymnasium den Fragen einiger hundert Schüler stellen. Und sie wussten, wie sie Weil fordern konnten.

Bei seinem ersten Besuch des Delmenhorster Willms kam bei Stephan Weil gleich die Zange zum Einsatz. Als der niedersächsische Ministerpräsident für eine kurze Unterredung über das Festprogramm des Gymnasiums anlässlich des 70. Geburtstages der deutschen Verfassung durch die Schule geleitet wurden, fingen ihn Nyla und Kimberley aus der 10e ab. Sie legten dem Landesvater ein Armband an und fixiertes es per Zange mit einem Metallclip. Für einige Zeit dürfte nun ein weiß-rotes „W“ am Handgelenk vom Besuch des Politikers beim Willms-Gymnasium zeugen. Zusammen mit Artikel 3, Absatz 1 der Verfassung: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“.

Landesvater im Kreuzverhör

Die Art und Weise, wie die beiden Schülerinnen Weil in Beschlag nahmen, lässt sich übertragen auf die Debatte im Forum der Schule. Dort hatte sich eine Vielzahl von Vertretern aus drei Jahrgängen im Kreis um Weil positioniert, um ihm nach U.S.-amerikanischem Vorbild ins Kreuzverhör zu nehmen. Grillen nennt man das neudeutsch. Und die Schüler wussten, wie sie Weil fordern konnten.

Weil nimmt Stellung zu Youtuber-Kritik

Ein Thema, das den Schülern auf den Nägeln brannte, war ein Video des Youtubers Rezo, in dem er vor erst wenigen Tagen der CDU sowie der SPD schwere Versäumnisse in der Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik vorwarf – und damit gerade den Nerv jüngerer Menschen zu treffen schien. Gefragt danach, was er von dem Video halte, sagte Weil, dass Kritik in einer Demokratie dazugehöre. „Ich halte aber wenig davon, alles in Grund und Boden zu strampfen.“ Sicher könne man auf Parteien draufhauen, „aber wer bleibt wirklich dauerhaft am Ball? Auf lange Sicht übernehmen in erster Linie Parteien die Verantwortung“, so Weil. Und in einer Demokratie sei man nun einmal „zu Kompromissen verdonnert“.

Versäumnisse in der Klimapolitik eingeräumt

Weil attestierte im Zuge dessen auch Versäumnisse der Politik. Zum Beispiel beim Klimaschutz – ein Thema, das die Schüler sichtlich beschäftigte. Einer von ihnen monierte den verzögerten Ausstieg aus der Kohle. „Die Kritik ist berechtigt“, so Weil. Er räumte ein, Deutschland hänge bei den CO2-Einsparzielen hinterher. Gleichzeitig warnte der Ministerpräsident vor einem überhasteten Kohleausstieg: „Stell dir vor, du lebst in der Lausitz. Die gesamte Region lebt von der Kohle. Nimmt man sie vom Netz, fährt man die Region an die Wand.“

Bauen gegen die Wohnungsnot

Gefragt nach der Wohnungsnot im Land – ein Thema, dass gerade angehende Studenten umtreibt – ging Weil auf Pläne für den Sozialen Wohnungsbau ein. Niedersachsen will bis 2030 rund 40 000 neue Sozialwohnungen bauen. „Wohnungsnot ist überall ein Problem, auch im ländlichen Raum.“ Die Antwort, so Weil, liege darin, viele neue Wohnungen zu bauen. Zudem befürwortete er Maßnahmen, um Mietsteigerungen zu dämpfen. So könnten Mieten für Studenten, Behinderte oder kinderreiche Familien bezahlbar bleiben.

Willms-Schüler fahren nach Hannover

Weil äußerte sich weiter zu Dieselgate, Flüchtlingen, zur Herabsetzung des Mindestwahlalters ab 16 Jahre oder zur Grundrente, er gab sich offen, locker, billigte Kritik – das kam gut an bei den Schülern, die ihn mit Applaus verabschiedeten. „Ich habe mich in den Themen auf jeden Fall wiedergefunden und Weil hat gut geantwortet“, sagte Schülersprecherin Isabell Sindermann (17). Ihr Sprecherkollege Niko Hastede (17) hätte sich allerdings mehr Zeit für die Debatte mit dem Ministerpräsidenten gewünscht. „Alle Fragen konnten wir leider nicht stellen.“ Dieser Wunsch könnte aber in Erfüllung gehen: Weil habe Schüler des Wilms zu einem Besuch im Landtag eingeladen. Dort könnte sich die Debatte also fortsetzen.

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