Gymnasium an der Willmsstraße

Abitur in Delmenhorst „Seien Sie Sand im Getriebe“

| Weser Kurier

Rund 200 Schüler haben am Gymnasium an der Willmsstraße und am Max-Planck-Gymnasium ihre Hochschulreife erworben. Nun wurden die jungen Leute feierlich von ihren Schulen verabschiedet.

„Das Abitur ist keine Garantie, aber auch keine Voraussetzung für Erfolg im Leben.“ Eine schöne Erkenntnis, mit der der Abschlussjahrgang des Max-Planck-Gymnasiums am Freitagabend bei seiner Verabschiedung im Kleinen Haus aufwartete. Auch wenn das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife schon „ein Freibrief ist, es Türen öffnet“, wie Bürgermeisterin Antje Beilemann sagte. 87 Schüler haben in diesem Jahr am Maxe ihr Abitur abgelegt, am Gymnasium an der Willmsstraße waren es 114 Schüler. Sie feierten am Sonnabend ebenfalls im Kleinen Haus. Beide Schulen begrüßten zudem Abiturienten des Jahrgangs 1968, das Willms sogar Schüler, die 1948 ihr Abiturzeugnis überreicht bekamen.

Wie immer sind die Verabschiedungen natürlich auch Rückblick. Wie sollte es auch anders sein, einer der prägendsten Lebensabschnitte endet unwiderruflich, eine Gemeinschaft löst sich auf und wird sich wahrscheinlich überallhin verstreuen und nur wenige werden davon in der alten Heimat bleiben. Zeit also, um zurückzublicken, weil bei allem Prüfungsstress die Abi-Jahre auch für die Generation G8 eine Zeit großartiger Gemeinschaftserlebnisse ist. Kurz: eine geile Zeit, vor allem dank Skikursen und Kursfahrten. An die die Schüler beider Schulen auch voller Insidern erinnerten.

Bemerkenswert – neben der herausragenden Qualität der von den Schülern selbst dargebotenen Interludien – war der unterschiedliche Duktus der Reden der Schulleiter. Auf der einen Seite eine moralisch-politisch mahnende Ansprache von Maxe-Direktorin Cordula Fitsch-Saucke, auf der anderen Seite die mit philologischer Urgewalt vorgetragene Aufarbeitung und philosophische Verortung des Abi-Mottos von Willms-Direx Stefan Nolting.

Cordula Fitsch-Saucke appellierte an ihre Abiturienten, das, was sie in ihrer Schulzeit gelernt haben, einzusetzen, um gegen den derzeit grassierenden Populismus Resilienzen zu entwickeln. „Eine gute Bildung ist eine Grundvoraussetzung für eine vitale Demokratie. Aber sie ist in Gefahr“, sagte sie und kritisierte offen die neue Debatten-Nichtkultur in Deutschland, die eben nicht nur mit der AfD in Verbindung steht, sondern auch die aktuelle Regierungskrise vor allem zwischen CDU und CSU prägt. „Diese Regierungskrise birgt die Gefahr, dass die Republik Schaden nimmt.“ Sie sprach von einem Erosionsprozess der demokratischen Werte wie Toleranz, Offenheit und Kompromissfähigkeit. Es war deutlich herauszuhören, dass sie sehr hofft, dass ihre Schüler an der Europaschule Max-Planck-Gymnasium aber eben genau das gelernt haben. „Nutzen Sie Ihren Verstand, bilden Sie Ihr eigenes Urteil. Jeder ist mitverantwortlich für das, was geschieht – und das, was unterbleibt.“

Das Thema von Noltings Rede war da schon von, sagen wir mal, anderer Tiefe. Das Abi-Motto, „Ausdruck der intellektuellen DNA des Jahrgangs“, stellte ihn in diesem Jahr vor eine kleine Herausforderung: „Meist dichter als Denker: 2,018 Promille“. „Aber ich bin froh, dass Sie nicht das Motto ‚Cann-abi-s – Wir haben es durchgezogen‘ gewählt haben“, sagte er in seiner witzigen und geistreichen Ansprache. Die aber schließlich in einem großen Lob für einen großen Jahrgang endete: „Sie waren ein empathischer und sozial sehr engagierter Jahrgang.“ Und er rief alle auf, weiterhin Sand im Getriebe zu sein. Ja-Sager gebe es bereits genug. Um mit einem Mü Sentimentalität zu schließen: „Denken Sie zuweilen an das Willms. Adieu.“