Gymnasium an der Willmsstraße

Einen Tag im Parlament

von Alida Muehlenhort |

Zum diesjährigen Zukunftstag ergab sich die Möglichkeit für Jugendliche ab 16 Jahre, Astrid Grotelüschen (MdB) einen Tag bei ihrer Arbeit zu begleiten und sich den Tagesablauf eines Politikers näherzubringen. Außerdem wurde man über die Aktivitäten, wie z. B. die Arbeitsgemeinschaften oder die Parteitage und deren Themen, aufgeklärt. Im Folgenden schildere ich meine Einblicke sowie meinen Tagesablauf dort vor Ort im Bundestag.


Am Donnerstag, den 26.04.2018 war es soweit. Ich bin nach Berlin zum Bundestag mit weiteren zwei Mädchen gefahren. Wir haben uns auf dem Weg von Bremen nach Hannover das erste Mal gesehen. Da es in Hannover und Bremen geregnet hat, war einer unserer Wünsche, dass in Berlin gutes Wetter ist. Als wir in Berlin ankamen, hat sich unser Wunsch erfüllt. Leider sind wir aufgrund der Zugverspätung eine Stunde zu spät im Bundestag angekommen und die Hälfte der Sitzung Gruppe der Frauen (Deutsche Parlamentarische Gesellschaft) verpasst. Die Themen der Sitzung waren Frauenhäuser und die Behandlung von Frauen, die in ein Frauenhaus gehen. Außerdem eröffnete sich eine Diskussion darüber, dass diese Themen nicht im Koalitionsvertrag aufgelistet werden. Die Sitzung war noch nicht vorbei, als plötzlich eine Sirene losging. Mein erster Gedanke war ein Feueralarm, weil alle Abgeordneten schnell aufgestanden sind und die Sitzung verlassen wollten. Doch es war ein Hammelsprung. Der Hammelsprung besagt, dass, wenn der aus zwei Sitzungspräsidenten und zwei Schriftführern gebildete Sitzungsvorstand über das Ergebnis einer Abstimmung uneins sind, die Abgeordneten durch den Hammelsprung gezählt werden: Die Abgeordneten verlassen den Plenarsaal und betreten ihn durch verschiedene Türen, die mit „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ markiert sind. Dabei werden sie von zwei Schriftführern an jeder Tür gezählt. Dieses Auszählverfahren wird auch eingesetzt, wenn vor einer Abstimmung die Beschlussfähigkeit bezweifelt und nicht vom Sitzungsvorstand als gegeben bejaht wird. Wir haben Frau Grotelüschen bis zu den Türen begleitet und konnten dadurch viele berühmtere Politiker, wie Herr Schäuble und Herr Özdemir, sehen. Dann wurden wir von einem Mitarbeiter von Frau Grotelüschen abgeholt und zu einer Plenarsitzung mit dem Themen Wahl der Mitglieder des Stiftungsrates der „Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF)“ und„Haltung der Bundesregierung zu den Korruptionsvorwürfen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)“ von 15 – 16 Uhr gebracht. Bei dieser Plenarsitzung war es interessant zu beobachten, wie sich die Abgeordneten im Bundestag bzw. in einer Plenarsitzung verhalten. Ich habe auch mitbekommen, dass die Vizepräsidentin des deutschen Bundestags Claudia Roth bestimmte Abgeordnete zur Ordnung rufen musste. Nach der Sitzung konnte ich noch mit Frau Grotelüschen über das Verhalten im Bundestag und deren Entwicklung sprechen. Da sie seit 2009 als Abgeordnete im Bundestag sitzt, konnte sie dies gut einschätzen und meint, dass neuerdings immer öfter der Bundestagspräsident wegen unangebrachten Kommentaren eingreifen muss. Von 18-19 Uhr haben wir eine Hausführung von einem Mitarbeiter Astrid Grotelüschens bekommen. Besonders interessant war, dass Steine mit kyrillischem Schriftzug verwendet wurden, um an die Eroberung Berlins zu erinnern. Zudem sind die beiden Adler im Berliner Plenarsaal auch interessant, da der Architekt Norman Foster sich einen schlankeren Adler wünschte und diesem dem entsprechend entwickelte. Die Abgeordneten entschieden sich gegen den neuen Entwurf des Bundesadlers und blieben bei der „fetten Henne“ von Ludwig Gies, den er einst für das Parlament in Bonn entwickelt hatte. Am Ende übernahm Foster die Gestaltung der Rückseite des Adlers. Diese hängt vor einer Glasscheibe und ist erstmals von beiden Seiten sichtbar. Um vom Reichstag zum Jakob-Kaiser-Haus zu gelangen hatte man schon im alten Reichstagsgebäude einen unterirdischen Gang gebaut, welcher durch die Umbaumaßnahmen nach der Wiedervereinigung entdeckt und bis heute genutzt wird. Auf einer Schriftsäule von der amerikanischen Installationskünstlerin Jenny Holster laufen digitale Leuchtschriftbänder mit 442 ausgewählten Reden von Reichstags- und Bundestagsabgeordneten aus der Zeit von 1871 bis 1992. Eine weitere architektonische Besonderheit war im Paul-Löbe-Haus: Durch die Mitte des Hauses geht eine Linie, die die Grenze zwischen DDR und BRD kennzeichnet. Dieses Kunstwerk ist von Joseph Kusuth. Auf der einen Seite ist ein Zitat von Thomas Mann aus dem „Zauberberg“ („Was also war das Leben? …“) zu lesen und auf der anderen eines von Ricarda Huch aus den „Erinnerungen von Ludolf Ursleu dem Jüngeren“ („Denn was ist das Leben des Menschen? …“). Nach der Hausführung sollten wir eigentlich mit Frau Grotelüschen im parlamentarischen Abend der BAG BBW (Deutsche Parlamentarische Gesellschaft) zu Abend essen. Durch den Hammelsprung hatte sich der ganze Zeitplan nach hinten verschoben, sodass die letzte Plenarsitzung nicht wie geplant von 23:15-24 Uhr ging, sondern erst um 00:30 Uhr begann. Da Frau Grotelüschen noch an einigen teilnehmen musste wäre das Essen zu spät geworden, sodass wir uns auf den Weg zur Jugendherberge gemacht und uns ein Restaurant zum Essen gesucht haben. Der nächste Morgen begann früh. Um 7 Uhr sind wir zum Frühstück gegangen und haben uns anschließend auf den Weg zum Paul-Löbe-Haus gemacht. Um 8:45 Uhr sind wir angekommen und wurden sofort zur nächsten Plenarsitzung begleitet. Diese ging von 9-11 Uhr und behandelte die Themen „Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Religions- und Weltanschauungsfreiheit“ und danach „Gesetze zur Änderung des Strafgesetzbuches – Einführung einer teilweisen Legaldefinition für „Teile der Bevölkerung“ in § 130 StGB “. Vor allem in der zweiten Debatte musste der Präsident des Bundestags Wolfgang Schäuble einige Abgeordneten zur Ordnung rufen und einige auch wegen nichtordnungsgemäßen Verhaltens aus dem Plenarsaal schicken. In der zweiten Debatte entstand eine Diskussion, da viele während einer Rede eines Abgeordneten um das Recht baten, eine Frage stellen zu dürfen, welches in diesem Fall immer angenommen wurde. Durch das immer häufigere ‚Andiskutieren‘ gegen die Aussagen der Redner erlaubte Wolfgang Schäuble irgendwann keine Zwischenfragen mehr. Nach der Plenarsitzung habe ich mich noch kurz mit Frau Grotelüschen über die Plenardebatte unterhalten. Danach sind wir mit Frau Grotelüschen im Abgeordnetenrestaurant essen gegangen und haben uns über den neuen Einblick in den Beruf eines Politikers unterhalten. Da unser Bus um 15 Uhr vom ZOB am Messegelände am Funkturm losfuhr, mussten wir uns auf den Weg machen und verabschiedeten uns von Frau Grotelüschen und all ihren Mitarbeitern. Zum Abschied bekamen wir einen Stoffbeutel mit dem Reichsadler, einen Notizblock, eine Bild von der Panoramaansicht von der Kuppel aus, das Buch „Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode“, eine Stichwortsammlung „Der Deutsche Bundestag – Wie parlamentarische Demokratie funktioniert“ und ein Buch über die Regierungsbauten in Berlin.
Insgesamt hat mir der Besuch in Berlin sehr gut gefallen und mir einen großen Einblick in die Arbeit eines Politikers gegeben. Vor allem das Schauen hinter die Kulissen war eine prägende Erfahrung. Außerdem war dieser Besuch hilfreich in Bezug auf Wahlen da ich ab diesem Jahr wählen gehen darf, da ich so auch sehen konnte, was alles außerhalb des Plenarsaals geschieht. Einem wird die Möglichkeit gegeben jeder Partei aufmerksam zuzuhören und life zu erleben und sich nicht nur die ausgewählten Berichte und Debatten aus den Medien anzuschauen und sich über ihre Aussagen Gedanken zu machen. Meiner Meinung nach ist dies eine gelungene Gelegenheit Jugendlichen einen direkten Einblick in die Politik zu ermöglichen.