Gymnasium an der Willmsstraße

Eine unvergessliche Begegnung

von Darius Lewandowski |

Erlebnisse prägen uns Menschen seit jeher ungemein. Eines von solchen, das uns für immer im Gedächtnis bleiben wird, war eine ungewöhnliche Begegnung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. 

Wir gehen also in eine der vielen Baracken. Auf einmal ist dieser leere, vergessene Raum voll von Menschen unterschiedlicher Generationen und Nationen. Zum einen unsere Gruppe von Schülerinnen und Schülern ukrainischer, polnischer und deutscher Schulen, zum anderen Teilnehmer des „Marsches der Lebenden“: Juden aus Mexiko, Belgien, Italien und Deutschland, Kinder und Kindeskinder der Überlebenden.

Während wir uns in der Baracke aufhielten, nahm man sichtlich unsere deutsche Sprache wahr und wir wiederum bemerkten die verschiedenen Sprachen und die Flaggen der israelischen Nation, in die sich einige hüllten. Es war eine surreale Situation: Kinder von überlebenden Juden und Kinder deutscher, polnischer und ukrainischer Schulen betrachteten sich zunächst; eine verklommene Situation, an einem düsteren Ort des Grauens. Es wirkte so viel echter, so viel menschlicher als schwarze Zeilen auf weißem Papier im Geschichtsbuch.

Mit dem Ausgang aus der Baracke, kam es zu Gesprächen zwischen unseren Gruppen, in englischer Sprache. Die Atmosphäre war explosiv, die Emotionen der Wirklichkeit fuhren uns durch Haut und Haar. „Was haben eure Großeltern im Krieg gemacht?“, kam es aus der Gruppe gerufen. Die Situation drohte zu kippen und wir standen da wie verwurzelt, eine Last spürend, die uns so fremd ist und doch ist sie da, ist sie real. 

Die Schülerinnen und Schüler warben jedoch um eine Chance, gemeinsam für eine Zukunft der Versöhnung und Freundschaft einzustehen und alte Feindschaft nicht durch Sicht unserer Emotionen verblenden zu lassen. „Wir reichen euch unsere Hände und Herzen, um für eine bessere Welt zu kämpfen. Und wir versprechen euch dies: Niemals wieder Auschwitz so lange wir leben! Dies ist unsere einmalige Chance, hier und jetzt diese bessere Welt mit euch zu bauen.“ 

Die Folge war phänomenal: Umarmungen in Tränen und freudiger Hoffnung auf die Zukunft. Wir nannten es in unserer Gruppe „Begegnung für die Future“.

Diese Geschichtsstunde bleibt uns sicherlich ein leben lang in Herz und Gedächtnis erhalten.

Über die weiteren Erfahrungen des Schulaustauschs mit dem polnischen Gymnasium, der von dem Deutsch-Polnischem Jugendwerk gefördert wird und unter dem Motto „Was uns verbindet“ steht, berichten wir durch eine Ausstellung während der Projektwoche.