Gymnasium an der Willmsstraße

Deutsch

„Der Mensch ist Mensch nur durch die Sprache.“
(Johann Gottfried von Herder (1744-1803),
deutscher Philosoph und Dichter.)

Der Deutschunterricht des Gymnasiums leistet zweifellos einen ganz wesentlichen Beitrag zur sprachlichen und literarischen, auf die traditionellen und modernen Medien bezogenen Bildung aller Schülerinnen und Schüler: Sich mündlich und schriftlich in den unterschied­lichsten Lebenslagen situativ angemessen verständigen, auch längere und schwierige Texte verstehen, ihnen sachgerechte und persönlich weiterführende Informationen entnehmen und dabei eigene Kreativität entwickeln können, das sind heute und morgen die unverzichtbaren Voraussetzungen für die erfolgreiche Teilhabe am sozialen Leben, für die private Verwirk­lichung und die berufliche Orientierung in der anschließenden Ausbildung oder im weiter­führenden Studium.

Die stille Freude am Lesen. Schüler*innen der Klasse 5 in der Bibliothek der Außenstelle.

Im gymnasialen Deutschunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler, auf der Grundlage sicherer fachlicher und methodischer Kenntnisse für das ganze Leben prägende Werte- und Normvorstellungen zu entwickeln, die ihnen helfen können, den immer größer werdenden gesellschaftlichen Anforderungen der Zukunft souverän zu begegnen. Sie entwickeln schrittweise die für ihr weiteres Leben so notwendige Fähigkeit, persönliche Konflikte gewaltfrei zu bewältigen, sich anderen differenziert mitzuteilen, eigene Gefühle und Vorstellungen sprachlich präzise zu fassen, überzeugend zu argumentieren, Kritikfähigkeit zu entwickeln und Selbstkritik zuzulassen. Damit trägt das Fach Deutsch am Gymnasium wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler bei, also zur Stär­kung von Selbstbewusstsein, Reflexionsvermögen, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit.

Deutsch im Jahrgang 5

„Jeder Mensch hat seine eigene Sprache. Sprache ist Ausdruck des Geistes.“
(Novalis, eigentlich Friedrich von Hardenberg (1772-1801), deutscher Dichter.)

Aufbauend auf den in der Grundschule erworbenen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten bereitet der Deutsch-Unterricht in der Sekundarstufe I (Klasse 5-10) die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Sekundarstufe II (Klasse 11-13) und des Abiturs vor. Er zielt auf die Entwicklung derjenigen Kompetenzen, die zur fachlich sachgerechten, metho­disch selbstständigen sowie kreativen Bewältigung komplexer Aufgabenstellungen befähigen. Immer deutlicher ist jedoch in den letzten zehn Jahren geworden, dass die jeweiligen Voraus­setzungen der Schülerinnen und Schüler beim Übergang auf das Gymnasium in der Klasse 5 gerade im Fach Deutsch sehr unterschiedlich sind.

Die Vielfalt der Sprachen entdecken. Differenzierender Deutschunterricht in der Klasse 5.

Bereits im „Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen“ (2014) wird diese Tatsache berücksichtigt und die Notwendigkeit des pädagogischen Eingehens auf die individuellen Kenntnisstände der heutigen Schülerinnen und Schüler hervorgehoben:

Voraussetzung für das Angebot differenzierender Lernzugänge sind die Kenntnis der Ausgangslagen und der Lernstände der Einzelnen sowie die Anbindung an die individuelle Lernbiographie.

Individuelle Förderung ist somit Grundprinzip pädagogischen Handelns, Ausgangspunkt und zentrale Aufgabe von Unterricht und Erziehung.“

 

Auf die hier zum Ausdruck gebrachte besondere Verantwortung von Schule insbesondere im Fach Deutsch hat das Gymnasium an der Willmsstraße unter anderem mit der Einrichtung eines mittlerweile mehrfach erprobten und sehr erfolgreichen Sprachförderkonzeptes in Klasse 5 reagiert. Dabei werden die in der Regel fünf Klassen des neuen Jahrgangs 5 nach einer umfangreichen Diagnostikphase mit vier verschiedenen Testreihen aus den Kompetenz­bereichen „Lesen“, „Rechtschreibung“, „Textproduktion“ und „Allgemeiner Sprachstand/ Grammatik“ bereits zu den Herbstferien in sieben kleinere Differenzierungsgruppen eingeteilt, in denen die Schülerinnen und Schüler durch zusätzliche Lehrkräfte individuell gefördert werden können. Abhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand der Mitglieder einer Klein­gruppe kann selbstverständlich neben der Förderung auch eine zusätzliche Forderung erfolgen (z. B. durch das Verfassen komplexer Texte oder das eigenständige Erarbeiten eines Referat­themas). Der gesamte Entwicklungsprozess wird in einem Lernstandsbogen dokumentiert.

Möglich geworden ist dies alles durch eine Veränderung der Stundentafel am Gymnasium an der Willmsstraße, wodurch in der Klasse 5 das Fach Deutsch sechsstündig unterrichtet werden kann. Der dafür notwendige Beschluss auf der Gesamtkonferenz wurde einstimmig gefasst und wird von der gesamten Schulgemeinschaft aktiv unterstützt.

Deutsch in den Jahrgängen 6 bis 10

„Es ist egal, ob ein Kind ein Buch liest, ein Audiobuch hört oder einen Film sieht. Wichtig ist nur, dass Kinder mit Geschichten groß werden.“

(Cornelia Funke (geb. 1958), deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin.)

lesezeit-in-klasse-5

Im Mittelpunkt der Arbeit im Fach Deutsch in der Sekundarstufe I steht der Umgang mit der Sprache in verschiedenartigen Texten und in den modernen Medien. Dabei das Leseinteresse und die Lesefreude an Geschichten zu wecken und zu fördern, ist eine zentrale Aufgabe des gymnasialen Deutschunterrichts in den Klassen 6-10. Freilich macht die Vielfalt der moder­nen Medienwelt mit Smartphone, Computer und Internet es unumgänglich, von einem weit gefassten „Text“-Begriff auszugehen, der neben der tradierten Literatur auch Sach- und Gebrauchstexte sowie spezifische neue Textformen umfasst, die in den modernen Medien verwendet werden („SMS“ usw.). Dabei sollen die Schülerinnen und Schülern mediale Texte nicht nur genau verstehen lernen, sondern darüber hinaus in ihrer jeweiligen Funktion kritisch reflektieren können. Es geht im Fach Deutsch in der Sekundarstufe I um die Förderung einer zeitgemäßen Lesekompetenz, die die rasante Entwicklung der modernen Massenmedien nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung begreift.

Eine besondere Bedeutung hat im gymnasialen Deutschunterricht der Klassen 6-10 nach wie vor die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen bzw. deutschsprachigen Literatur in ihrem jeweiligen historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext. Anhand ausge­suchter altersgemäßer Textbeispiele werden den Schülerinnen und Schülern multiperspek­tivische Einblicke in Grundmuster menschlicher Erfahrung vermittelt und so methodisch reflektierte Zugänge zu den verschiedensten Weltsichten eröffnet – heute mehr denn je in interkultureller Perspektive. Durch gegenwartsbezogene Themen, die von der postmodernen Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler ausgehen, sollen diese zum Nachdenken angeregt sowie zum politischen und sozialen Handeln motiviert werden.

Dabei ist im täglichen Unterrichtsgespräch über Texte in der Sekundarstufe I der Erwerb und der Ausbau einer grundlegenden Argumentationskompetenz besonders wichtig. Dadurch nämlich eröffnet sich für die heranwachsenden Schülerinnen und Schülern der Klasse 6-10 erst die Möglichkeit einer aktiven sozialen Teilhabe an den demokratischen Entwicklungs­prozessen in unserer offenen Gesellschaft.

Darüber hinaus ist es ein besonderes Anliegen des Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I, die Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme am kulturellen Leben anzuregen, den gemein­samen Besuch von öffentlichen Veranstaltungen wie Lesungen oder Theaterbesuchen vorzu­bereiten, zur intensiven Nutzung der Angebote der schuleigenen Mediothek und der öffent­lichen Bibliotheken zu motivieren sowie eine Auseinandersetzung mit der Vielfalt kultureller Aktivitäten im sozialen Umfeld einzufordern.

Deutsch in der Oberstufe

„Ich glaube, man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? […] Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“

(Franz Kafka (1883-1924), deutsch-tschechischer Autor.)

In der Sekundarstufe II stehen nach der Einführungsphase (Klasse 11) in der folgenden Qualifikationsphase (Klasse 12-13) sowohl im dreistündigen Kurs auf grundlegendem Anfor­derungsniveau (Grundkurs) als auch im fünfstündigen Kurs auf erhöhtem Anforderungsniveau (Leistungskurs) die Erweiterung und Vertiefung der sprachlichen, literarischen und medialen Bildung der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt der nun unterschiedlich intensiven pädagogischen Arbeit. Dabei fördert der Deutschunterricht die kontextbezogene Aufnahme und angemessene Würdigung künstlerischer Produktionen verschiedenster literarischer Epochen mit ihren eben nicht nur männlichen, sondern gleichermaßen auch weiblichen Autor*innen und erweitert damit die ästhetische Genussfähigkeit sowie die ethisch fundierte Urteilsbildung der jungen Erwachsenen. Auf diese Weise trägt er ganz wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Ausbildung einer eigenen Lese- und Schreibidentität der Schülerinnen und Schüler in einer dem Prinzip der Gleichheit von Mann und Frau verpflichteten demokratischen Gesellschaft bei.

Im Kompetenzbereich „Reflexion über Sprache“ werden vertiefte theoretische Kenntnisse über die Sprache und ihre kommunikative Funktion erworben. Zugleich wird im Rahmen soziologischer Forschungsansätze über den eigenen und fremden Sprachgebrauch intensiv nachgedacht. Bewusst wird hierbei der Einfluss von Fremdsprachen wie Latein, Englisch, Französisch, Spanisch oder Türkisch auf die deutsche Sprache reflektiert.

Darüber hinaus bereitet der Deutschunterricht in der Sekundarstufe II die Schülerinnen und Schüler wissenschaftspropädeutisch auf die allgemeinen und spezifischen Anforderungen eines Universitätsstudiums vor. Wichtig ist dabei die Anbindung der eA-Kurse Deutsch (Leistungskurse) an das von der selben Lehrkraft parallel unterrichtete Seminarfach, in dem eine universitäre Standards einführende Facharbeit im Umfang von circa 15 Seiten angefertigt werden muss. Dabei soll die Sprache von den Schülerinnen und Schüler zunehmend als erkenntnisstiftendes und Wissen ordnendes Instrument eingesetzt werden, wodurch ihr Sprachbewusstein geschärft und ihre Schreibkompetenz weiter ausgebildet werden kann.

Kooperation mit der „Klassik-Stiftung Weimar“

„Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.“

(Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter und Naturwissenschaftler.)

Ein in Deutschland wohl einzigartiger außerschulischer Lernort, an dem die im gymnasialen Deutschunterricht der Sekundarstufe II erarbeiteten Themen lebendig ausgestaltet und wissen­schaftlich vertieft werden können, ist zweifellos die Stadt Weimar als kulturelles Zentrum der Weimarer Klassik (1786-1832), die untrennbar mit den Namen Wieland, Herder, Goethe und Schiller verbunden ist. Deshalb hat die Fachschaft Deutsch des Gymnasiums an der Willms­straße im Jahr 2014 einstimmig beschlossen, für die Leistungskurse im Fach Deutsch (Klasse 11 bzw. 12) regelmäßig Kursfahrten nach Weimar anzubieten. Um eine möglichst fach­kundige Betreuung der Schülerinnen und Schüler vor Ort zu gewährleisten, wurde gleichzeitig eine Kooperation mit der renommierten „Klassik Stiftung Weimar“ ins Auge gefasst, die kurze Zeit später tatsächlich zustande gekommen ist. Bereits im Sommer 2015 hat dann ein Leistungskurs Deutsch des Willms-Gymnasiums das kostenlose Angebot für eine von hoch qualifizierten Dozent*innen durchgeführte, einwöchige Weiterbildung zu Thema „Das Erbe der Weimarer Klassik“ wahrgenommen, das neben einem sehr umfangreichen Besichtigungs­programm in der Stadt Weimar auch tägliche Seminare in dem technisch modernen Studien­zentrum der „Klassik Stiftung Weimar“ beinhaltete.

Im Nachhinein haben alle Schüler*innen und Schüler des Leistungskurses Deutsch betont, dass der sicherlich arbeitsintensive Besuch in Weimar ihr Wissen über die Literatur der Weimarer Klassik nochmals erweitert habe und insofern für die Abiturvorbereitung im Fach Deutsch sehr hilfreich gewesen sei. Aus diesen Gründen wird das Gymnasium an der Willmsstraße die Kooperation mit der „Klassik Stiftung Weimar“ in den nächsten Jahren fortsetzen.

Mitglieder der Fachgruppe

Die Fachgruppe wird geleitet von Dr. Axel Weishoff.

Kerncurricula

Schulcurricula

Leistungsfeststellung

Jahrgang Anzahl Klassenarbeiten Gewichtung der Klassenarbeiten Gewichtung der Mitarbeit
5 (1. Halbjahr) 2 50% 50%
5 (2. Halbjahr) 3  50%  50%
6 4 (2+2) 50% 50%
7 4 (2+2) 50% 50%
8 4 (2+2) 50% 50%
9 4 (2+2) 50% 50%
10 (1. Halbjahr) 2 50% 50%
10 (2. Halbjahr) 1 40% 60%
Q1.1 1 (90min) 40% 60%
Q1.2 1 (90min) 40% 60%
Q1.2 (P1-5) 2 (90min) 50% 50%
Q2.1 1 (90min) 40% 60%
Q2.1 (P1-3) 1 (300min) 50% 50%
Q2.1 (P4) 1 (220min) 50% 50%
Q2.1 (P5) 1 (90min) 40% 60%
Q2.2 1 (90min) 40% 60%
Abitur (P1-3) 1 (300min)
Abitur (P4) 1 (220min)

Eine erweiterte Übersicht findet sich HIER.

Arbeitsmaterialien

  • Jg. 5: „deutsch.kompetent“, (Klett-Verlag), Klasse 5 (ISBN: 978-3-12-316001-1).
  • Jg. 6: „deutsch.kompetent“, (Klett-Verlag), Klasse 6 (ISBN: 978-3-12-316002-8).
  • Jg. 7: „Deutschbuch“ (Cornelsen-Verlag), Klasse 7 (ISBN: 978-3-06-062415-7).
  • Jg. 8: „Deutschbuch“ (Cornelsen-Verlag), Klasse 8 (ISBN: 978-3-06-062416-4).
  • Jg. 9: „Deutschbuch“ (Cornelsen-Verlag), Klasse 9 (ISBN: 978-3-06-062417-1).
  • Jg. 10: „Texte, Themen und Strukturen“ (Cornelsen-Verlag), Oberstufe (ISBN: 978-3-464-69103-8).
  • Jg. 11: „Texte, Themen und Strukturen“ (Cornelsen-Verlag), Oberstufe (ISBN: 978-3-464-69103-8) und „Wissensspeicher für das Fach Deutsch“ (schulinterner Reader der Fachschaft Deutsch).
  • Jg. 12: Spezielle Arbeitshefte mit den Schwerpunktthemen der jeweiligen Abiturprüfung.
  • Jg. 13: Spezielle Arbeitshefte mit den Schwerpunktthemen der jeweiligen Abiturprüfung.